"Ein Mensch brauch kein Denkmal. Er brauch nur ein paar Freunde, in deren
Erinnerung er weiter lebt."
Ernst Udet, deutscher Jagdflieger (1896-1941)
TEIL 2
Erst 1908 sollte der von Laurent und Louis Seguin herausgebrachte
neuartige Sternmotor Gnome ohne Wasserkühlung das Flugwesen revolutionieren.
Er war einer der ersten Motoren bei dem es gelang die Hitze nicht durch eine
Wasserkühlung sonder durch seitlich angebrachte Kühlrippen an die
Umgebung abzugeben. Außerdem benötigte man hierbei keine Kurbelwelle
mehr, da der Motor sich mit dem Propeller drehte und somit ohne
Erschütterungen das Flugzeug vorantrieb. Dies ergab einen Schwungrad
- Effekt und der Motor lief wie eine Nähmaschine und das bei einem halb
so hohem Gewicht wie bei einem wassergekühltem Motor. Statt 30 oder
50 PS gaben die Gnome Motoren 70 bis 80 PS ab und gehörtem binnen kurzer
Zeit zu den meist verkauften Triebwerken der Welt.
Aus dem Gnome wurde der Rhone Motor, von dem spätere
Ausführungen auch bei Bentley, Clerget und BMW gebaut wurden. Dieser
Motor war das Herzstück vieler Flugzeuge des I Weltkrieges, unter anderem
der brit. Sopwith Camel. 1911 wurden die ersten Langstreckenflüge, von
London nach Paris - 402 km in vier Stunden, Paris nach Madrid und dann nach
Rom; und von New York über Chicago nach St. Louis, unternommen. 1912
stellte der stromlinienförmige Deperdussin Monocoque Eindecker, der
von einem 150 PS Gnome Motor angetrieben wurde und dessen geschlossener Rumpf
weitgehend die tragende Funktion übernahm, mit 174 km/h in Chicago einen
neuen Weltrekord auf.
Im Jahr 1912 setzte der franz. Industrielle Jacques Schneider einen
großen Preis für das schnellste und seetüchtigste Wasserflugzeug
aus und brachte damit einen langen Wettkampf um den Geschwindigkeits
Weltrekord in Gang. 1913 gewann Maurice Prevost mit der 160 PS starken
Deperdussin Monocoque nach Bleriot Vorbild den begehrten Schneider Pokal.
Er erreichte hierbei einen Geschwindigkeit von 203 km/h. Im darauffolgenden
Jahr gewann Howard Pixton in einer brit. Sopwith Tabloid die Trophäe
mit 148 km/h. Dieser Preis sollte noch weit in die 20er Jahre viele Flugpioniere
zu Höchstleistungen antreiben.
Aber sonst gab es weltweit auf sog. Flugschauen viel Geld zu verdienen
und manch einer der Pioniere wurde dadurch reich: Curtiss erhielt für
einen Flug den Hudson River hinunter nach New York 10.000 $. Claude Grahame-White
bekam allein 50.000 $ dafür, daß er auf einer Bostoner Luftfahrtschau
auftrat. Mit diesem Geld kaufte er ein Stück Land bei Hendon nördlich
von London und eröffnete einen für viele Jahre erfolgreiches Aerodrom.
Dies sollte nur der Anfang für zahlreiche Flugschauen sein und
nicht nur in Großbritannien sondern auch überall in Europa und
Amerika. Bei einer dieser Flugschauen (in Doncaster) gab sogar Colonel Cody
seine amerikanische Staatsbürgerschaft auf und wurde Brite. In Deutschland
führte schon der Holländer Anthony Fokker auf dem Flugfeld Johannisthal
bei Berlin seine Flugzeuge vor und ließ einen Einblick auf seine
zukünftige Größe erahnen.
Aber auch zahlreiche Piloten ließen Ihr Leben auf dem Flugfeld:
Hauptmann Ferber stürzte in Boulogne mit einer Voision Maschine ab;
Charles Rolls - Fabrikant der Rolls - Royce Automobile verunglückte
in einem Wright Doppeldecker oder Eugene Lefebvre in einem Wright Typ A.
Dies war auch der Zeitpunkt als sich zusehends finanzkräftige
Transportunternehmer sich für die Luftfahrt interessierten. Grund
hierfür war sicher auch der durch die Zeppeline mit regelmäßigem
Passagierverkehrslinien erfolgversprechende Passagier- und Transportverkehr.
Die Antwort darauf konnte nur mehrmotorige und größere Flugzeuge
sein. 1911 bauten die Gebrüder Short in England den Triple Twin Zweidecker,
angetrieben von zwei 50 PS Gnome Motoren, von denen einer einen hinter dem
Cockpit liegenden Druckpropeller, der andere mittels Ketten zwei an den
Tragflächen montierte Zugpropeller antrieb.
In Rußland stellte Igor Sikorsky mit dem noch größeren
Bolschoi (bekannt als Le Grand), einem viermotorigen Passagierflugzeug mit
einer Spannweite von 28 Meter und erstmals einer geschlossenen Kabine, neue
Maßstäbe. 1914 folgte dann der noch größere Ilja Mourometz
mit einem Promenadendeck für die Passagiere, Bordtoilette und Mahlzeiten,
die am Tisch serviert wurden. In den 20er Jahren wanderte dann Sikorsky in
die USA aus, baute dort große Flugboote und wurde später weltweit
berühmt als einer der Begründer der Hubschraubertechnik (deshalb
auch der Spitzname Mr Helicopter).
Schon vor 1914 gab es die erste Funkverbindung eines Flugzeuges zum
Boden, den ersten Geschwindigkeitsmesser, gefederte Fahrgestelle und andere
Verbesserungen, die der Sicherheit dienten. Im August 1913 unternahm der
waghalsige Kunstflieger Adolphe Pegoud, der für Bleriots Firma flog
und als einer der ersten kopfunter (am 02.09.1913) geflogen war, einen
erfolgreichen Sprung mit einem Fallschirm aus einer schrottreifen Maschine.
Während des ersten Weltkrieges wurde diese sichere Notfallausstattung
nicht an die Piloten ausgegeben, weil man der Auffassung war die Piloten
würden zu rasch ihre Maschinen im Stich lassen, wenn sie wußten
sie könnten sich durch einen Sprung aus der Gefahr begeben. Diese
Einstellung kostete tausende von Flieger, darunter auch dem Flugpionier Adolphe
Pegoud, das Leben.
Charles
S. Rolls hatte sich als Fabrikant der erlesenen Rolls-Royce Automobile bereits
einen Namen gemacht, als er 1901 seinen ersten Ballonflug unternahm und
Mitbegründer des Royal Aero Clubs wurde. 1909 erwarb er einen von Short
gebauten Wright Flyer und war im Juni 1910 der erste, der den Kanal in beiden
Richtungen überflog. Doch beim Luftfahrttreffen in Bournemouth am 12.
Juli versagte ein zusätzliches Höhenruder, mit dem er ein franz.
Exemplar des Wright Doppeldeckers versehen hatte. Kurz nach einer Wendung
ging die Maschine zu Boden, und Rolls kam dabei um.
Anthony
Fokker fliegt auf seinem schnellen und leichten Militär Eindecker über
Johannisthal, 1914.
1914
hatte die Flugzeugindustrie bereits Ambitionen, es beim Passagiertransport
mit Schiff, Eisenbahn und den Zeppelinen aufzunehmen. In Rußland baute
Igor Sikorsky 1914 das größte Flugzeug der Welt (das erste
viermotorige), die Ilja Mourometz, die über eine Kabine für 16
Fluggäste, einen Waschraum und sogar einem Promenadendeck
verfügte(siehe Bild)!
Der
Schneider Wettbewerb im September 1919 im engl. Bournemouth war von Streit
und schlechtem Wetter beherrscht. Die Teilnehmer, darunter Harry Hawker mit
seiner Sopwith (Bild), mußten vom Strand mitten zwischen den Zuschauern
starten. Die Franzosen zogen ihre Meldung zurück, die Briten mußten
in dichtem Nebel aufgeben, nur der Italiener Guido Janello in seiner Savoia
S13 kam ins Ziel. Doch da nicht sicher war, ob er den vorgeschriebenen Kurs
wirklich geflogen war, mußte er eine Extrarunde drehen, bevor er den
Preis bekam und Italien den nächsten Wettbewerb ausrichten durfte.
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