Blauer Max Logo

links zurück rechts weiter


Träumer, Abenteurer u. Wissenschaftler

"Wir werden ihn für die großen Tugenden des Muts und der Beharrlichkeit im Gedächtnis behalten."

Nachruf der Befehlshabenden in Franborough auf Colonel Cody

TEIL 1

Wenn man nach heutigen Maßstäben die Entwicklung der Luftfahrt und Ihrer Entwickler betrachtet, kommt man schnell zu dem Entschluß, daß viele der Entwickler sehr unwissenschaftliche Lösungen erbrachten. Zwar hatten schon viele Flugpioniere gewisse aeronautische Grundkenntnisse von Dingen wie Auftrieb, Luftwiderstand oder Leistungsgewicht, doch nur wenige nahmen sich die Zeit so methodisch vorzugehen wie z. B. die Gebrüder Wright bei Versuchen in Windkanälen, Gleitflugexperimenten oder dem sorgfältigen Studium der wissenschaftlichen Literatur.

Konstruktionsplan v. Flyer 3 der Gebr. Wright

Originalkonstruktionspläne des Flyer 3 von den Gebrüder Wright

Die meisten waren einfach nur Bastler, Amateure, Geschäftsleute, die den Nervenkitzel der Fliegerei, den Ruhm oder das schnelle Geld anlockten. Es ist daher nicht verwunderlich, daß zur damaligen Zeit viele der Flugveranstaltungen ausgebucht waren. Schließlich gab es keine vergleichbaren Darbietungen wie die der „tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten", bei denen man jederzeit mit einem tödlichen Absturz rechnen konnte. Dies war, wenn man die Gründe der Abstürze betrachtet, nicht verwunderlich, da viele Abstürze bedingt durch mangelhafte Entwürfe, die öfters noch voneinander kopiert wurden, selbst verursacht waren.

Viele der Dutzenden von Maschinen, die vor dem I Weltkrieg flogen, waren falsch konstruiert und nicht einmal eine Handvoll konnten wirklich Erfolge aufweisen. Schuld daran waren sicher auch manch falscher Ansatz der sich noch lange hielt, wie der Voisin-Farman Kastendrachen mit seitlich geschlossenen Doppelflügel (wurden bis 1909 gebaut); weil vielen an der Stabilität der Maschine mehr lag als an der Steuerbarkeit. Obwohl schon die Wright Flyer Flugzeuge das Gegenteil durch ihre verwindbare Tragflächen bewiesen.

1903 wurde bereits schon von Octave Chanute ein Vortrag über die Steuerungstechnik der Gebrüder Wright gehalten der aber zwei Jahre danach noch für Wirbel sorgen sollte. Hierzu trug sicher ein Vortrag von Robert Esnault-Pelterie im Jahre 1905 bei, in dem er die von den Wrights verwendete Steuerung negativ sowie als gefährlich beurteilte und somit die Entwicklung des europäischen Flugwesens zurückwarf. Grundlage waren sein fehlerhafter Nachbau des Wrightschen Gleitflugzeugs. Man muß Ihm aber auch so positive Erfindungen, wie Querruder die er bei einem Flyer einbaute und der Steuerknüppel sowie Sicherheitsgurte, zu gute halten.

Ein andere falscher Ansatz waren die flügelschlagenden „Ornithopter" die zahllose Anhänger noch lange hatte und allein schon vom Grundgedanke falsch waren. Sicher gab es auch positive Ausnahmen wie der Engländer Horatio Phillips, der zugleich Flugwissenschaftler war, und bei Versuchen im Windkanal die Richtigkeit der aeronautischen Theorien bewies, die George Cayley 90 Jahre zuvor aufgestellt hatte. Hierbei leitete er Dampf über ein Flügelsegment mit unterschiedlich gewölbter Ober - und Unterfläche. Er bewies, daß sich auf der Unterseite eines Flügels, wenn er oben stärker gewölbt ist als unten, ein erhöhter Luftdruck bildet, der ihn emporhebt.

Phillips Schriften sollten eine großen Beitrag für die Luftfahrt bedeuten, doch für seine praktischen Versuche wählte er eine Vieldecker, der mehr Ähnlichkeit mit einer Jalousie als mit jedem anderen Flugzeug hatte, das je gebaut wurde. 1907 flog er damit in Streatham London, tatsächlich 150 Meter weit. Angeblich war dies der erste bemannte Motorflug in Großbritannien, obwohl er nie offiziell anerkannt wurde. Auch Alliot Verdon Roe beanspruchte die Ehre des ersten brit. Fliegers für sich, doch offiziell ging dieser Titel im April 1909 an J.T.C. Moore-Brabazon der in einer franz. Voisin Maschine geflogen war. Im selben Jahr flog er auch mit einem Schwein als Kopilot, nur um zu beweisen, daß, wie er einmal sagte „selbst Schweine fliegen können".

Andere wie der Amerikaner Samuel Franklin Cody (auch genannt Colonel Cody nach seinem Freund Colonel William F. Cody, auch bekannt als Buffalo Bill) verursachten allein durch Ihr Vorhandensein einen Enthusiasmus unter den Flugbegeisterten bzw. Ihren Zuschauern. Cody war ein hünenhafter, ungebildeter Cowboy aus Texas, der in zahlreichen Wildwestshows bzw. Varietes aufgetreten war sowie als Pferdehändler sein Geld verdient hatte und schließlich irgendwie in England landete. Er wurde schnell zu einem dauernden Gast auf der Militärbasis Aldershot, wobei er ständig mit Westernkleidern und Stetsonhut sowie schulterlangem Haar herumlief.

Man mag über die konservative und streng geordnete britische Armee denken was man will, aber sie hatte immer auch solche Exzentriker wie Cody(siehe Bild unten links) in Ihren Reihen. Und schließlich nachdem er sich mit den Experimenten von B. F. Baden-Powell über Aufklärungsdrachen befaßt hatte, wurde er offiziell in die Army aufgenommen. Hierbei wurde sein sog. Kriegsdrachen 1901 patentiert und 1904 in das Arsenal des Kriegsministeriums aufgenommen. Im darauffolgenden Jahr montierte er einen Motor und Doppeldeckerflügel an seinen Drachen und ließ ihn mit Erfolg unbemannt fliegen.

Vier Jahre später flog er mit seiner „Fliegenden Kathedrale" den ersten Motorflug in Großbritannien (wurde aber nicht anerkannt - da er ja Amerikaner war). Am 7.08.1913 verunglückte er S. F. Cody macht Aufnahmen bei den Vorführungen des Aero Clubs im Alexandra Palast, England 1907tödlich bei einem Versuchsflug mit einem neuen Doppeldecker in Farnborough. Auf dem Versuchsgelände in Farnborough kann man noch heute eine in Aluminium geschaffenes Abbild des Baumes finden an dem er seinen erstes Flugzeug band. Cody war schließlich dafür verantwortlich, daß er im zähen Einzelkampf, das Bewußtsein in Regierung und Öffentlichkeit für den „Fliegersinn" entwickelte.

Eine weitere technische zukunftsweisende Entwicklung war der Helikopter. Obwohl die Grundidee einer nach oben gerichteten Luftschraube schon aus dem 12. Jahrhundert stammt, und Leonardo da Vinci bereits 1490 Entwürfe erarbeitet hatte, trat erst in den 1870er Jahren ein Prototyp gegen ein Ornithopter an. Im Jahr 1907 verließ zum ersten Mal ein Helikopter den franz. Erdboden, der Breguet-Richet-Gyroplane Nr. 1. Die Ehre des ersten Helikopterflugs ohne Unterstützung konnte allerdings erst der franz. Ingenieur Paul Cornu, dessen mit zwei Rotoren ausgestattete und von einem 24 PS Antoinette Motor angetriebene Maschine zur gleichen Zeit gebaut wurde, verbuchen. Allerdings konnten erst 1936 die Grundprobleme der Flugstabilität und des Antriebs gelöst werden.

Eine andere der Zeit weit vorausgehende Idee war der Düsenantrieb. Der Rumäne Henry Coanda entwarf bereits 1910 eine von einem 50 PS Clerget Motor angetriebenen zentrifugalen Kompressor, der die Luft in einer darübergestülpten Glocke nach hinten preßte. Auch die hierbei verwendeten glatten Formen und freitragenden lackierten Sperrholztragflächen waren Ihrer Zeit weit voraus. Allerdings ist es sehr umstritten ob Coanda der Flug mit dieser Konstruktion, obwohl er einen erfolgreichen Flugversuch nicht weit von Paris angab, überhaupt gelang.

Der größte und schwächste Punkt bei jeder damaligen Konstruktion war allerdings der Motor. Die damaligen großen und schweren Motoren aus Gußeisen und Stahl brachten ein Leistungsgewicht von fast 4 kg pro PS auf die Waage. Dazurechnen mußte man dann noch den Wasserkühler mit den dazugehörigen Leitungen sowie der hölzerne Propeller, und die Kurbelwelle. Bis 1908 wurden daher diese Schwachstellen durch leichtere Konstruktionen oder durch mehr Auftriebskraft bedingt durch größere Tragflächen ausgeglichen. Aus den Doppeldecker wurde somit die Dreidecker. Alliot Verdon Roe war der erste Brite, der in einem brit. Flugzeug flog, 30 Meter weit über die Lea Mashes in Essex, bestehend aus einem papierbezogenen Dreidecker mit vorderen Tragflächen und hinterem Höhenruder.

Der brasilianisch - franz. Flugpionier Santos-Dumont konstruierte seine winzige Demoiselle - ein Eindecker mit Rumpf aus Bambusrohr, das erste erfolgreiche Leichtflugzeug. In England baute John Dunne einen leitwerklosen gepfeilten Nur-Flügler, bei dem jeder Quadratzentimeter Auftrieb brachte.

>> Weiter zur zweiten Seite >>

Es ist ein Bild verfügbarBemannte Drachen nach dem System, das Maidot nach Codys Entwürfen des Jahres 1899 entwickelt hatte, waren auch 1917 noch an der Westfront im Aufklärungseinsatz.

Es ist ein Bild verfügbarBei allem Wildwest Image war der Amerikaner Colonel Samuel F. Cody doch einer der führenden Flugpioniere in England; er baute das erste brit. Flugzeug sowie, im Jahre 1910, den Cody Doppeldecker, mit dem er sich hier mit Passagieren aufnehmen läßt. Er gewann die British Empire Michelin Trophy und stellte neue brit. Rekorde im Dauer- und Langstreckenflug auf.

Es ist ein Bild verfügbarManche versuchten es ohne aerodynamische Kenntnisse mit allem, was aussah, als ob es fliegen könnte. Im April 1909 wollte ein gewisser Stoeckel mit diesem kuriosen Eindecker in die Lüfte heben.

Es ist ein Bild verfügbar1908 konstruierte M. Collomb seinen imposanten Ornithopter, der mit den Flügel schlug wie ein Vogel. Zwar hob sich kein Ornithopter je in die Lüfte, doch manche Konstrukteure setzten weiter ihre ganze Hoffnung auf dieses Prinzip. 1911 wurde auf einer Ausstellung in London die „Bartlett Flapping Maschine" gezeigt (siehe Bild).

Es ist ein Bild verfügbarAlle Welt wollte in Europa Kastendrachen von Voisin-Farman. John Moore-Brabazon startet zu seinem ersten Flug in Leysdown, Kent. Die Voisin Maschinen waren wegen ihrer größeren Flugstabilität beliebter als die Flyer von Wright, doch sie hatten keine Möglichkeit, Rollbewegungen abzufangen, und konnten nur bei völliger Windstille fliegen.

Es ist ein Bild verfügbarAlberto Santos Dumonts winziger Demoiselle Eindecker von 1909 war das erste Flugzeug seiner Art, mit einer Spannweite von nur knapp über 5 Meter und einem 20 PS Antoinette Zweizylindermotor. Es wandte sich an jene, die ein Flugzeug wollten, mit dem sie im Garten ihrer Freunde landen konnten. Der Pilot flog es wie einen motorisierten Hanggleiter, und die Demoiselle paßte gut zur Persönlichkeit ihres Erbauers, der zwar wagemutig, aber nur 1 Meter 52 groß war.

>> Weiter zur zweiten Seite >>

links zurück rechts weiter


Einleitung - Dt. Flugzeuge - Ausl. Flugzeuge - Inhalt - Flugmanöver - Piloten - Technik
Luftfahrtgeschichte.com - Copyright 1999
Fehler, Fragen oder Vorschläge? Gert Steidle