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Hubschrauber, Drehflügler

Der Weg zum Senkrechtflug


"Professor Focke und seine Techniker, die unter mir standen, wurden immer kleiner, als ich weiter nach oben flog - 50 Meter, 75 Meter, 100 Meter. Dann nahm ich langsam Gas weg, der Aufwärtsflug wurde immer langsamer, bis ich schließlich auf der Stelle in der Luft schwebte. Das Gefühl war unbeschreiblich, berauschend. Ich wurde an einer Lerche erinnert, die auf leichten Flügeln über sommerliche Feldern in die Höhe steigt. Jetzt hatten ihr die Menschen das Geheimnis ihres Fluges entrissen."

Hanna Reitsch

TEIL 1

Als im Jahre 1903 die Ära der Starrflügler begann, zeigte sich Thomas Alva Edison von diesen Erfolgen wenig beeindruckt und sagte einmal verbittert: "Das Flugzeug ist überhaupt nichts, wenn es sich nicht wie ein Kolibri senkrecht auf und ab bewegen, und wie ein Kolibri auf der Stelle schweben kann". Die Grundidee des Senkrechtfluges und somit der nach oben gerichteten Luftschraube ist schon relativ alt und stammt offenbar aus dem 12. Jahrhundert. Leonardo da Vinci arbeitete diese Idee im Jahre 1490 aus, so daß diese Grundüberlegungen später als Vorlage dienen konnten. Außerdem gelang es da Vinci kleine, federgetriebene Hubschrauber zum Fliegen zu bringen. Diese Modellversuche wurden im Laufe des 18. Jahrhunderts noch von zahlreichen Wissenschaftlern und Erfindern, darunter so bekannte Namen wie Sir George Cayley oder Jacob Degen erfolgreich nachgestellt.

L. da Vincis Hubschrauberskizze 1490Trotzdem dauerte es fast 400 Jahre bis man sich an die Verwirklichung des Konzeptes herantraute. Ein Prototyp trat daher erst in den 70er Jahren  des 18. Jahrhunderts gegen einen Ornithopter an. Anfang des 20. Jahrhunderts griff man die Modellversuche mit Hubschraubern wieder verstärkt auf und so konnte z. B. die Gebrüder Dufaux 1905 in Saint-Cloud ein Modell vom Boden abheben lassen. Zwei Jahre später experimentierten Louis und Jacques Bréguet sowie Professor Richet bei Douai, südlich von Lille, mit einem Hubschrauber, dessen 45 PS Antoinette Motor vier waagerecht rotierende Rotoren antrieb. Die Maschine hatte nur den einen Zweck, einen Piloten, den Ingenieur Volumard, und das eigene Gewicht anzuheben. Sie verfügte daher noch nicht über entsprechende Steuermöglichkeiten und konnte somit auch nur senkrecht auf- und absteigen.

Im September 1907 stieg der "Gyroplan No. 1" von Bréguet-Richet mit einem Gewicht von insgesamt 575 Kg, gut einen halben Meter in die Luft. Am 29. September erreichte er sogar eine Höhe von 1,5 Meter. Doch konnte man bei diesen Versuchen noch nicht von einem freien Flug reden, da bei allen Flügen eine Hilfsmannschaft den Hubschrauber an den vier Enden hielt, um ein Umkippen zu verhindern. Der erste freie Flug eines Hubschraubers gelang am 13. November 1907 in der Nähe von Lisieux, südlich von Le Havre. Im Gegensatz zu den zuvorgehenden Versuchen verfügte der von M. Paul Cornu konstruierte Helikopter über zwei Steuerflächen und sein 24 PS starker Antoinette Motor trieb zwei Rotoren an. Cornu war ein französischer Fahrradhersteller, der wie viele andere seiner Zeitgenossen, der Faszination des Motorfluges verfallen war.

Im Gegensatz zu den Gebrüder Wright versuchte er aber eine Flugmaschine zu entwickeln, die den Senkrechtflug zustanden bringen sollte. Bereits im Jahre 1906 baute er sein erstes Modell, ausgestattet mit einem 2 PS Motor und einem Gewicht von 12,7 Kg, das erfolgreich flog. Aufgrund dieses Erfolges beschloß er einen richtigen Flugapparat zu bauen und so konnte er im August 1907 die Fertigstellung feiern. Am 27. September erfolgte der erste unbemannte Flugversuch mit 50 Kg Ballast, wobei die Maschine kurz vom Boden abhob. Nach weiteren Versuchen beschloß Cornu am 09. November den ersten bemannten Flugversuch zu unternehmen. Leider riß hierbei ein Antriebsriemen, so daß der Versuch abgebrochen werden mußte. Vier Tage später am 13. November konnte Cornu bei einer Flugzeit von ca. 20 Sekunden eine Höhe von 30 Zentimeter erreichen. Beim zweiten Versuch am Nachmittag erhob sich der Hubschrauber sogar so rasant auf eine Höhe von 1,5 Meter, daß dabei der Bruder von Cornu, der sich ans Chassis klammerte, mitgetragen wurde, obwohl sich dadurch das Gesamtgewicht von 258 Kg auf 326 Kg erhöhte.

Es folgten noch weitere Flüge, von denen der längste ca. 60 Sekunden dauerte. Außerdem konnte man beim Geradeausflug eine Geschwindigkeit von 11 Km/h erreichen. Paul Cornu führte zwar danach noch einige kurze Flüge durch, mußte aber später alle weiteren Versuche beenden, weil im die finanziellen Mittel hierzu fehlten. Am 22. Juli 1908 erreichte der von Bréguet-Richet gebaute "Gyroplan", die No. 2-bis, bei einen erfolgreichen Flugversuch, eine Höhe von 4 Meter, wurde aber dann bei der anschließenden Landung beschädigt. 1912 gelang dem Dänen Ellehammer mit seinem von zwei konzentrischen Rotoren ausgestatteten Hubschrauber ein Flug, wobei der untere Rotor sogar als Fallschirm eingesetzt werden konnte . Die erreichte Höhe betrug hierbei einen halben Meter vom Boden. Trotz der Erfolge von Cornu und Bréguet bzw. Richet konnte man aber immer noch nicht die Grundprobleme wie die Flugstabilität oder den Antrieb bei Hubschraubern lösen. Die nachfolgenden Jahre brachten aber auch viele nützlichen Erfindungen im Flugzeugbau auf denen die Entwickler von Hubschraubern bauen konnten. So wurden die Flugzeugmotoren immer leichter und leistungsstärker oder man verwendete leichtere und stabile Materialien sowie zuverlässigere Kugellager im Flugzeugbau.

Oehmichen Hubschrauber Nr. 1 am BallonSeit 1920 hatte Oehmichen in Frankreich, Pescara, ein in Spanien lebender Italiener, und Berliner in den USA Flugmaschinen erbaut, die zwar über Flugzeugmotoren verfügten, aber ihre Auftriebskraft durch Rotoren oder Drehflügel erhielten. Oehmichen ging sogar bei seinen Versuchen soweit, daß er seinen Flugapparat unter einem mit 140 Kubikmeter Gas gefülltem Ballon montierte um diesen 70 Kg leichter zu machen. Sein Hubschrauber Nr. 1 hatte zwei Drehflügel mit 6, 3 Meter Durchmesser, einen 25 PS Motor von Dutheil & Chambers und konnte insgesamt 266 Kg anheben. Am 15. Januar 1921 begann er mit seinen Versuchen. Pescaras Hubschrauber Nr. 2-R hatte eine Startmasse von 790 Kg, einen 160 PS starken Rhône-Umlaufmotor und wurde 1921 in Paris ausgestellt. Bei dieser Ausstellung machte er die Bekanntschaft von französischen Fachleuten und baute daraufhin seinen Pescara Nr. 3 mit einem 180 PS Hispano-Suiza-V-Motor. Die Startmasse des neuen Hubschraubers wurde auf eine Tonne erhöht und er konnte trotz der Gewichtszunahme länger als eine Minute auf der Stelle in einer Höhe von einem Meter schweben.

Im Januar 1924 gelang sogar ein Schwebeflug von 10 Minuten und 10 Sekunden. Oehmichen gab bei dem zweiten Hubschrauber die Zuhilfenahme eines Ballons auf und verwendete stattdessen vier Auftriebsrotoren. Außerdem konnte durch den Einsatz von zwei Hilfspropeller (Manövrierpropeller) der Vortrieb, die Stabilisierung und die Steuerung verbessert werden. Das Gesamtgewicht des Helikopter betrug 850 Kg und der Antrieb wurde von einem 120 PS starken Rhône Motor bewerkstelligt. Oehmichen konnte mit seinem Hubschrauber Nr. 2 vom 06. November 1922 bis zum 15. Januar 1923 etwa 30 Schwebeflüge unternehmen. Hierbei wurde eine Höhe von 1 bis 3 Meter erreicht, eine Strecke von 90 Meter zurückgelegt und die Flugdauer betrug dabei 2 Minuten und 37 Sekunden. 1924 wurde sein Hubschrauber mit einem 180 PS Motor von Gnôme ausgestattet, der seinen Apparat auf eine Höhe von 6 bis 8 Meter brachte. Gleichfalls war bei einer geringeren Höhe der Flug eines Kreises von 1 Kilometer Länge in einer Zeit von 7 Minuten und 40 Sekunden möglich. Bothezat in den USA hatte Ende 1922 mit einem Hubschrauber Versuche unternommen, der mit vier Rotoren (je sechs Blätter) angetrieben wurde und eine ausgesprochen stabile Fluglage aufweisen konnte.

Es ist ein Bild verfügbar"Gyroplan No. 1" von Bréguet-Richet steigt am 29. September 1907 in die Luft.

Es ist ein Bild verfügbarBertins Autogyro von 1908 mit einer zusätzlichem Rotor für den Auftrieb.

Es ist ein Bild verfügbarM. Paul Cornu Hubschrauber mit dem ihm der erste selbstständige Hubschrauberflug am 13. November 1907 gelang.

Es ist ein Bild verfügbarRaoul Pescara mit seinem 16blättrigem Helikopter, der im Jahre 1924 in Issy-les-Moulineaux bei Paris abhob und 800 Meter weit flog.

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