Handley Page O/100 u. O/400


Handley Page O/100 u. O/400

Höchstgeschwindigkeit: o/400: 156 km/h, 360 PS zweireihige Rolls-Royce Eagle VIII Zwölfzylinder Boxermotoren
Steiggeschwindigkeit: keine Angabe
Dienstgipfelhöhe: 2.590 m
Spannweite: 30,48 m
Länge: 19,16 m
Gewicht: Leergewicht 3.719 kg, max. 6.350kg
Bewaffnung: bis zu 5 7,7 mm schwenkbare Lewis Gewehre und bis zu 907 Kg Bomben
Einsatzdauer: 8 Std.
Anmerkungen: Ensprechend einer Spezifikation der Admiralität vom Dezember 1914 für einen großen, zweimotorigen Patrouillenbomber machte sich Handley Page sofort an die Konstruktion eines Flugzeugs nach diesen Angaben. Die zunächst mit Handley Page Type O bezeichnete Maschine wurde später in O/100 umbenannt, wobei sich die 100 auf die Flügelspannweite in Fuß bezog. Ganz eindeutig war diese Maschine größer als alles, was bisher vom Handley Page Unternehmen gebaut worden war, und sie war bei der Fertigstellung des Prototyps sogar das größte Flugzeug, das jemals in Großbritannien gebaut worden war. Die O/100 war ein Doppeldecker mit Klappflügel unterschiedlicher Spannweite und einheitlicher Profilsehne mit geraden Vorder- und Hinterkanten. Die Flügel waren an einem Rumpf mit quadratischem Querrschnitt montiert, der in einem Doppeldecker – Leitwerk endete. Das Heckspornfahrwerk hatte Zwillingsräder an beiden Hauptfahrwerksbeinen, und die beiden 266 PS Rolls-Royce Eagle II Motoren waren in ihrer gepanzerten Gondeln gleich neben dem Rumpf zwischen den Flügeln montiert. Die Besatzung war im ersten Prototyp (Seriennr. 1455) in einer verglasten Cockpitkabine untergebracht, deren Boden und Seiten durch Panzerplatten geschützt waren. Die am 17.12.1915 zum ersten Mal geflogene O/100 zeigte keine ausreichende Leistung, und der zweite Prototyp hatte ein geändertes offenes Cockpit für zwei Besatzungsmitglieder (der Schütze saß vorn), die Panzerplatten im Cockpit sowie die meisten Panzerungen der Motorgondeln waren entfernt und die wassergekühlten Motoren hatten neue Kühler. Als die Maschine im April 1916 zum ersten Mal getestet wurde, zeigte sie eine derartige Leistungsverbesserung, daß sie im Mai mit 20 Handley Page Mitarbeitern an Bord bis in eine Höhe von über 2.100 m geflogen wurde. Die Aufstellung der ersten Handley Page Squadron, wie sie damals hieß, begann im August 1916, und diese Einheit nahm Ende Oktober od. Anfang November in Frankreich den Einsatz auf. Neben der Verwendung als Nachtbomber an der Westfront wurden die O/100 auch bei der am 5. Juni des Jahres 1918 eingerichteten Bomberstaffel der RAF Independent Force eingesetzt. Die Auslieferung der O/400 Serienmaschinen begann im Frühjahr 1918. Dabei handelte es sich um eine verbesserte Ausführung der O/100, die sich von ihrer Vorgängerin vor allem durch stärkere Rolls-Royce Eagle Motoren unterschied und außerdem ein verändertes Treibstoffsystem und Kühler sowie einen Druckluft-Starter hatte. Obwohl von der O/100 nur 46 Exemplare gebaut wurden, nahmen noch zahlreiche O/400 vor Kriegsende den Einsatz auf und griffen beispielsweise in der Nacht zum 15 .9.1918 mit einer 40 Maschinen starken Einheit Ziele im Saargebiet an. Ungefähr zu dieser Zeit übernahmen diese Modelle 748 Kg Bomben, die schwerste Ladung, die während des I. Weltkriegs von einem brit. Flugzeug geflogen wurde. Mehr als 400 O/400 wurden zum Einsatz bei der RAF ausgeliefert, bevor im November 1918 der Waffenstillstand ausgerufen wurde. Der Typ blieb bis Ende des Jahres 1919 im Einsatz und wurde dann von der Vickers Vimy ersetzt. Es war geplant, den Typ in den USA in Serie zu bauen, aber nur 107 Maschinen (mit Liberty Motoren) wurden von der Standard Aircraft Corporation fertiggestellt, bevor der Waffenstillstand zur Zurücknahme der Bestellung der restlichen 1.500 Masschinen führte. Nach dem Krieg gingen einige der in Großbritannien gebauten Maschinen unter der Bezeichnung O/7 an China und drei oder vier davon wurden in Indien von der Handley Page Indo-Burmese Transport Ltd. benutzt. Außerdem wurden zehn O/400 Militärflugzeuge auf eine zivile Konfiguration umgebaut und von der Handley Page Transport Ltd. in England unter der Bezeichnung O/10 und O/11 benutzt. Nach dem System von 1924 wurden aus der O/100 die H.P.11 und aus der O/400 die H.P.12.