| Als Anfang dieses Jahrhunderts in Europa verschiedene lenkbare
Luftschiffe gebaut wurde. Kam auch in Deutschland eine Reihe von brauchbaren
Luftschiffen (Schütte-Lanz, Parseval, Groß-Basenach usw.) auf
den Markt. Doch diese Luftschiffe hatten nie so viel Erfolg wie zeppelinsche
Starrluftschiffe. Sie waren nach Ihrem Erfinder und Erbauer, dem Grafen Zeppelin,
benannt worden und sind auch heute noch weltbekannt.
Ihr Erbauer der Graf Ferdinand von Zeppelin wurde am 08.07.1838 in dem heutigen
Insel-Hotel in Konstanz geboren und verstarb am 08.03.1917 in Charlottenburg.
Sein Grab kann man noch heute auf dem Stuttgarter Pragfriedhof besuchen.
Seine Jugendzeit verbrachte er auf dem Schloß Girsberg, einem ehemaligen
thurgauischen Herrensitz bei Kreuzlingen am Bodensee.
Im Infanterieregiment in Stuttgart begann er nach erfolgreichem Abschluß
auf der höheren Schule in Cannstaat, seine Offizierslaufbahn. Hier besuchte
er auch die Kriegsschule und das Polytechnikum. Nach einem Studium an der
Universität in Tübingen wurde der Premierleutnant von Zeppelin
1863 vom Heer beurlaubt, so daß er während des amerikanischen
Sezessionskrieges als militärischer Beobachter teilnehmen konnte.
Hierbei schloß er sich den Truppen der Nordstaaten an. Am 19.08.1863
hatte er die Chance an einem Erkundungsflug in einem Ballon teilzunehmen.
Hierbei könnte er sich vielleicht erstmals mit dem Gedanken des Baus
eines Luftschiffes befaßt haben. Während des
Deutsch/Französischen Krieges 1870/71 hatte er wiederum die Gelegenheit
die Tätigkeit der franz. Ballone zu beobachten. Wobei die Ballon das
belagerte Paris mit wichtigen Nachrichten versorgten.
Erst als er in die Heimat wieder zurückkehrte und eine Schrift namens
"Weltpost und Luftfahrt "zu Gesicht bekam, nahm in das Problem der Herstellung
eines lenkbaren Ballos gefangen und er fertigte daraufhin Pläne an.
Dies geht aus Tagebuchnotizen aus dem Jahr 1874 hervor in dem er schon die
wesentlichen Gesichtspunkte wie große Dimensionen, überlegene
Treibkraft und verschiedene große Tragzellen beschrieb. Während
der Jahre 1885-1890 war der Graf württembergischer Gesandter und
Bevollmächtigter beim Bundesrat in Berlin.
1890 verfaßte er ein kritisches Memorandum über die
Machtvollkommenheit des preußischen Kriegsministeriums. Diese offene
Kritik brachte im das Mißbehagen des Kaisers Wilhelm II. ein und er
wurde daraufhin im Alter von 52 als Generalleutnant aus dem Dienst verabschiedet.
Dieser harte Schlag machte Ihn aber frei für andere zukunftsweisende
Aufgaben - dem Bau der Starrluftschiffe. 1894 legte er bereits einem
Sachverständigengremium Pläne vor die aber nicht die erhoffte Wirkung
einbrachte. Er ließ sich aber hiervon nicht beirren und reichte den
Entwurf zum Patentschutz ein und erhielt am 31.08.1895 die Patentschrift.
Hier ein Auszug der wichtigsten Punkte:
1. ein starres Aluminiumgerippe aus Ringen und Längsträgern.
2. Steuerungsmöglichkeit mit Hilfe von Höhen- und Seitenrudern
3. schlanke Form
4. Anordnung von zwei getrennten Gondeln
5. feste Verbindung der Gondeln mit dem Aluminiumgerippe
6. Verbindungsgang zwischen den Gondeln
7. Einteilung des Gasraumes in eine Vielzahl gleich großer zylindrischer
Zellen
8 Anbringung von Luftschrauben in der Höhe des Luftwiderstandsmittelpunktes
1898 gründete der Graf die Gesellschaft zur Förderung der
Luftschiffahrt, die ein Aktienkapital von 800000 Mark besaß (mehr als
die Hälfte stammte von Ihm). Der Bau des ersten Luftschiffes LZ 1 begann
1899 auf einem Grundstück in der Bucht von Manzell am Bodensee, das
von dem König von Württemberg zur Verfügung gestellt wurde.
Hierauf wurde eine Halle(140 m lang, 20 m breit u. 30 m hoch) auf Pontons
ruhend im See erbaut.
Der junge Ingenieur Ludwig Dürr, er war für den verstorbenen Ingenieur
Kobler eingestellt worden, legte sich hin und wieder mit dem Grafen an. Eine
dieser Auseinandersetzungen war die laut Dürr sehr bedenkliche Bauweise
der Halle auf schwimmenden Pontons, die bei einem Sturm zur Schäden
führen müßte. Tatsächlich behielt Dürr recht als
an zwei aufeinanderfolgenden Julitagen des Jahres 1899 die halbfertige Halle
von Ihrer Verankerung losgerissen wurde. Auch die Verwendung von schweren
Marineanker waren nicht erfolgsversprechend, da sich die Halle im Februar
1900 sich wieder losriß und an das Land getrieben wurde.
Hier blieb sie bis zum Frühjahr liegen, da der Bodensee Niedrigwasser
führte. Mitte Juni trafen dann die Flaschen mit komprimiertem Wasserstoff
ein, und Major Sperling reiste extra aus Berlin an, um das Füllen der
Gaszellen zu überwachen. Die Bespannung des Gerippes bestand aus Leinwand
die mit gutem Zelluloselack haltbar und wetterfest gemacht wurde. Der Antrieb
bestand aus vier Propeller die paarweise von je einem Daimler Motor angetrieben
wurden. Eine Steuerung wurde über die beweglichen Ruder am Bug und Heck
vorgenommen. Die horizontale Steuerung wurde über eine Schiene vorgenommen
an der ein Bleigewicht angebracht war das nach vorn oder hinten verschiebbar
war.
Der erste Start erfolgte am 02.07.1900 und endete nach dem Versagen des
verschiebbaren Bleigewichts mit einer Notwasserung bei Immenstaad, wobei
des Zeppelin leicht beschädigt wurde (Leck aufgrund eines
Fischernetzpfahls). Bei den anschließenden Reparaturarbeiten, bei denen
das Laufgewicht ins Innere verlegt wurde, kam ein starker Sturm auf, der
die Halle hin und her warf und mehrere Tragringe des Schiffsrumpfes
beschädigte. Nach ungefähr zwei Wochen konnte am 17.10.1900 ein
erneuter Start von LZ 1 erfolgen.
Leider versagten nach ca. 80 Minuten die Motoren und einer Notwasserung
mußte erneut stattfinden. Grund hierfür waren ein irrtümlicher
Austausch des Treibstoffes mit destilliertem Wasser. drei Tage später
flog LZ 1 nur 23 Minuten, da ein aufkommender Wind die schwachen Motoren
überforderten. Dennoch erreichte LZ 1 hierbei ein Geschwindigkeit von
9 m/sek, die um 3 m/sek besser war als das Luftschiff "La France". Trotzdem
mußte der Graf mit weiteren Schwierigkeiten kämpfen. Man fand
heraus, das die Gaszellen undicht waren und dadurch täglich 200 cbm
Gas verlorenging. Da keine Aufbereitungsanlage für Wasserstoff da war
mußte man notgedrungen teuer diesen außerhalb beschaffen.
Für die dritte Fahrt erhielt man daher 250 Flaschen von der
Heeresluftschiffabteilung. Am 24. Oktober 17:03 hob sich LZ 1 unter der strengen
Beobachtung des Inspekteurs der Verkehrstruppen und zahlreicher Prominenten
(z. B. König v. Württemberg) in die Luft. Leider fiel das Gutachten
des Inspekteurs schlecht aus und der Graf mußte aufgrund der ausfallenden
finanz. Mittel (die Aktionäre verweigerten eine weitere Finanzierung)
seine Gesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt auflösen. Die
meisten der Mitarbeiter wurde entlassen und das Luftschiff abgewrackt.
Der Zeitungsverleger Scherl versuchten, Graf Zeppelin durch Aufrufe in seinen
Blättern Hilfe zu leisten. Der "Notruf zur Rettung der Flugschiffahrt"
sollte das Volk zu Geldspenden animieren. Außerdem verschickte der
Graf frankierte Postanweisungen in alle Teile der Welt, doch brachte diese
Aufrufe nur 15 000 Mark ein. Als er sich aber an die Firma wandte, die das
Material zum Bau der LZ 1 geliefert hatte versprach man ihm das Notwendigste
zu liefern. Eine Lotterie, genehmigt vom König v. Württemberg,
brachte weitere 125 000 Mark. Reichskanzler Graf Bülow brachte 50 000
Mark aus dem Dispositionsfond bei und der Graf brachte aus seinem
Privatvermögen noch 100 000 Mark ein.
Mit dem Ingenieur Dürr begann der Graf sofort wieder den Bau der Halle
an derselben Stelle. Dürr hatte sich auch schon einige Gedanken gemacht
um LZ 2 mit zahlreichen Verbesserungen zu versehen(Ersetzung der Gitter-
durch Dreikantträger, Verbesserung der Höhensteuer und eine bessere
Motorisierung durch 2 Daimler Motoren mit je 85 PS). LZ 2 war bedingt durch
einige Verzögerungen erst im November 1905 fertig. Beim ersten Startversuch
wurde es daher durch die aufkommenden Winterstürme seitlich getroffen
und an die Hallenwand gedrückt.
Erst nach den Reparaturen zwei Monate später am 17.01.1906 konnte ein
erneuter Start erfolgen. Leider verklemmten sich während des Fluges
die Seitenruder und das Luftschiff bekam eine Schräglage von 20 Grad.
Bedingt durch diese Schräglage wurden die Motoren nicht mehr mit Treibstoff
versorgt und fielen nacheinander aus. Beim Versuch LZ 2 durch Ablassen von
Gas zu senken und durch den ausgeworfenen Anker zu verankern, riß die
Ankerkette und das Luftschiff schwebte wieder steuerlos davon. Erst nachdem
es zwei Birken gestreift hatte, hierbei wurde eine Abteilung des
Schiffskörpers leicht eingedrückt, konnte mit einer sanften Landung
LZ 2 zum Stillstand gebracht werden.
Das Luftschiff wurde daraufhin unter Mithilfe einiger Bauern am Heck und
Bug vertäut. Leider kam über Nacht ein Gewitter auf, der das Luftschiff
völlig verfetzte. Und wie bei LZ 1 blieb dem Grafen nichts anderes
übrig als das zerstörte Luftschiff zu zerlegen und die Mitarbeiter
zu entlassen. Dr. Dürr baute daraufhin aus eigenen Mitteln in der Manzeller
Werkstatt einen Windkanal und testete zahlreiche Modelle. Hierbei kam er
auf die Idee die Schiffskörper durch Anbringung von Gleichgewichtsflossen
zu stabilisieren. Leider reichte das Geld nicht um diese Idee in einem drittem
Luftschiff zu verwirklichen.
Glücklicherweise war zu dieser Zeit das Interesse der militärischen
Führung geweckt worden um mittels Luftschiffe den kommenden Krieg zu
bestreiten. Der Graf hatte einige Teile von LZ 2 noch zum Bodensee bringen
lassen und diese wurden somit beim Bau von LZ 3 noch verwendet. Im September
1907 erfolgten vier Probefahrten. Als im Dezember 1907 ein Sturm die schwimmende
Halle zum Sinken gebracht hatte und das darin befindliche Schiff schwer
beschädigt wurde, zwang dies zum Neubau derselbigen. LZ 3 wurde repariert
und unternahm in der Folgezeit noch erfolgreiche Fahrten über den Bodensee
und die nähere Umgebung.
Der Graf hatte es somit geschafft seinen Traum eines steuerbaren Luftschiffes
umzusetzen und sogar seine Skeptiker wie der Major Groß mußten
dies zugeben. Diesen Erfolg konnte sogar ein in der Villa Monrepos am Bodensee
lebender Gelehrter der Nationalökonomie mitverfolgen. Dieser bat den
Grafen einmal ihn während einer Fahrt mitzunehmen, wobei der Graf mit
Widerwillen knurrend diesem Wunsch entsprach. Im Laufe dieser Zeit kamen
sich diese unterschiedlichen Charaktere näher und der Gelehrte sollte
später noch zu einem der berühmtesten Luftschifführer werde.
Es war Dr. Hugo Eckener.
Kaiser Wilhelm II und sein Kronprinz kam in der darauffolgenden Zeit auch
an den Bodensee und befand das Schiff für militärische Zwecke gut.
Der dt. Reichstag bewilligte daraufhin einen Betrag von zwei Millionen Mark,
mit dem das Luftschiff vom Reich angekauft wurde.
Die Zerstörung der LZ4 in Echterdingen (wurde durch eine Windstoß
an einen Apfelbaum getrieben und verbrannte) am 5. August 1908 ruinierte
den Grafen, doch öffentliche und private Geldspenden (mehr als sechs
Millionen Mark) hielten die Firma am Leben. Im Oktober 1909 gründete
von Zeppelin mit staatlicher Unterstützung die DELAG, die erste kommerzielle
Fluggesellschaft der Welt. Dies war der Anfang einer noch lange andauernden
erfolgreichen Luftschiffahrt ,dessen Anfang der Graf von Zeppelin bereitet
hatte.
Ferdinand
Graf von Zeppelin (Mitte) mit dem Luftschiffkapitän Hugo Eckener (links)
und Kapitän Peter Strasser, dem Kommandeur der deutschen Marineluftschiffe,
1915.
1906
haben sich Reichtagsmitglieder an Bord eines Bodenseeschiffes versammelt,
um den Jungfernflug der LZ3 mitzuerleben.
Der
Absturz der LZ4 in Echterdingen im Jahre 1908 ruinierte den Grafen, doch
öffentliche und private Geldspenden hielten die Firma am Leben. |