Blauer Max Logo

links zurück rechts weiter


Die Fokker Plage

"Der Sieg wurde so teuer erkauft, daß er fast nicht von einer Niederlage zu unterscheiden ist."

Winston Churchill

TEIL 1

Im Mai 1915 führte Anthony Fokker einen Eindecker M-5 K mit einem synchronisierten MG ein. Dieser Prototyp basierte auf der franz. Morane Saulnier Eindecker Serie und wurde mit einem Umlaufmotor, der auch wiederum ein Nachbau des franz. Gnome Umlaufmotors (Name Oberursel)war, ausgestattet. Nach erfolgreichen Erprobungsflügen wurde schnell die Serienproduktion und somit der Fronteinsatz dieses Eindeckers befürwortet und durchgeführt. Allerdings hatte der Eindecker zu Anfang mit einigen Vorurteilen zu kämpfen.

Fokker E I auf dem Feldflugplatz

Fokker E I auf einem Feldflugplatz

Viele der Piloten bezweifelten in der Übergangsphase bis ca. Anfang August 1915 die Effektivität der Fokker. In einigen Fällen versagte sogar das synchronisierte MG und der Propeller wurde zerstört. Dies führte im Juli und August 1915 sogar zu drei tödlichen Abstürzen und die deutsche Heeresleitung verbot die weitere Benutzung. Sogar die eigens von Fokker eingerichtete Ausbildungsschule in Döberitz mußte geschlossen werde. Zum Glück konnte durch zwei erfolgreiche Piloten, Max Immelmann und Oswald Boelcke, diese anfängliche negativen Einstellungen gegenüber der Fokker Eindecker schnell zerstreut werden.

Die Synchronisation des MGs mit dem Propeller war denkbar einfach aber dafür äußerst effektiv und wurde zu damaligen Zeit als ein kleines technisches Wunder betrachtet. Die Lösung bestand aus Nocken die auf der Welle des Propellers anbracht wurden, und eine Stange, die wiederum mit dem Abzug des MGs verbunden war,, bei jeder Umdrehung entweder hob oder senkte. Hierbei wurde der Abschußmechanismus immer dann unterbrochen, wenn Gefahr bestand den Propeller zu beschädigen.

In der Nachfolgezeit wurde diese Erfindung sehr oft Fokker zugeschrieben, dem ist aber nicht so. Bereits 1913 hatte der Schweizer LVG Ingenieur Franz Schneider ein Patent eines Unterbrechermechanismuses eingereicht, diesen allerdings nicht in Serie produziert. Dies war der deutschen Luftwaffe und Fokker A. Fokkerbekannt und er machte der Deutschen Heeresleitung bei der Entwicklung und Verbesserung die Bedingung, ihn von allen event. Streitigkeiten und gerichtlichen Belangen zu schützen bzw. verschonen. Die Durchführung zur Entwicklung erhielt hierauf Fokkers Konstrukteur Heinrich Friedrich August Lübbe, der das Unterbrechergetriebe in kurzer Zeit mit seinem Team fertigstellte.

Die Erfindung des Unterbrechergetriebes kam zu einer Zeit als die deutschen Fliegertruppen überwiegend in der Defensive waren und verstärkt alliierte Bomber der Typen Voisin und Framan abwehren mußten. Diese Bomber flogen meist ungestraft am hellichten Tag tief in das süddeutsche Gebiet hinein und hatten im Saarland Chaos und Zerstörung in Munitionsfabriken zur Folge. Mit der Einführung der neuen Fokker Eindecker erhoffte man sich dies einzugrenzen bzw. die franz. Luftüberlegenheit zu beenden.

Im August 1915 betrat Max Immelmann die Bühne gefolgt von Oswald Boelcke. Immelmann hatte das Glück als einer der ersten den Fokker Eindecker zu fliegen und er wußte auch diesen gekonnt einzusetzen. Am 01.08.1915 erfolgte sein erster Abschuß eines zweisitzigen Bombers des Typs Bristol BE2. Hierbei stellte es sich heraus, daß der Einsatz des Unterbrechergetriebes mit einer äußersten Effektivität eingesetzt werden konnte. Dieser Erfolg wurde natürlich mit Erschrecken bei den alliierten Flugzeugführern beobachtet und setzte eine Welle der Angst in Gang. In den sechs darauffolgenden Monaten herrschte Aufruhr in der brit. Presse und im Parlament. Durch jeden weiteren Abschuß von Immelmann und Boelcke sah man die Zurückgewinnung der Luftüberlegenheit verschwinden.

Insbesondere Immelmann hatte eine erfolgreiche und somit erschreckende Abschußquote. Er schien fast unaufhaltsam als seine Abschußbilanz innerhalb von nur wenigen Wochen dramatisch anstieg. Schnell hatte er den Spitznamen "Adler von Lille" und die deutsche Presse überschlug sich mit Erfolgsmeldungen. Es sah somit aus als wären die alliierten Flugzeuge nichts anderes als Futter für die Fokker Eindecker. Immelmann und Boelcke wurden über Nacht zu Nationalhelden. Der neue Typ C (zweisitzige bewaffnete Aufklärungsflugzeuge) der deutsche Fliegertruppe verschlechterte die Aussichten dazu noch weiter, so daß die Alliierten stark in Bedrängnis kamen. Im Spätherbst 1915 bzw. im Frühjahr 1916 begannen die Deutschen Ihre neu gewonnene Luftüberlegenheit noch weiter zu verstärken indem sie ihre Jagdflugzeuge in Kampfeinheiten (später genannt JaStas) organisierten und dadurch in der Lage waren, ihre Luftmacht einfacher und effektiver umzugruppieren und zu konzentrieren.

Aus den Fokker Eindeckern wurden gesonderte Fokkergeschwader (auch Fokkerstaffeln oder KEK genannt) gegründet, denen jeweils bestimmte Sperrbereiche zugeordnet waren. Diese einfachen Fliegerstaffeln hatten natürlich nicht soviel Flugzeuge, daß sie eine lückenlose Überwachung in Ihrem Bereich gewährleisten konnten und so wurden sie wiederum in mehrere kleinere Einheiten (2-3 Flugzeuge) aufgeteilt. Durch diese später eingeführte Taktik konnten die kleineren Gruppen gegen die im Sommer 1916 zahlenmäßige Überlegenheit der Alliierten wenig entgegenzusetzen und wurden demnach förmlich überrollt. Maßgebend für die Einführung dieser besonderen Jagdeinheiten war Oswald Boelcke, der die Idee zur Reorganisierung (siehe hierzu Piloten Oswald Boelcke und Jastas, JG und Fliegender Zirkus) dem deutschen Oberkommando vorschlug und später im August 1916 erfolgreich umsetzte.

>> Weiter zur zweiten Seite >>

Es ist ein Bild verfügbarHier sehen Sie A. Fokker beim Testen der Synchronisation eines Spandau MGs auf einem Versuchsstand.

links zurück rechts weiter


Einleitung - Dt. Flugzeuge - Ausl. Flugzeuge - Inhalt - Flugmanöver - Piloten - Technik
Luftfahrtgeschichte.com - Copyright 1997-1998
Fehler, Fragen oder Vorschläge? Gert Steidle