| Viel älter als das Flugzeug ist der Fallschirm, mit dem schon
im 13. Jahrhundert siamesische Gaukler Schausprünge von Gebäuden
herab ausgeführt haben sollen. Die ersten verbürgten Erwähnungen
des Fallschirms stammt von Leonardo da Vici aus dem Jahre 1495. Seitdem blieb
der Gedanke, Menschen und Lasten mit schirmartigen Geräten durch die
Luft abwärts zu befördern, wach, namentlich in Italien. Den
nachweislichen ersten Fallschirmabsprung aber wagte der Franzose S. Lenormand
1783, im gleichen Jahre also, in dem der erste bemannte Ballonaufstieg gelungen
war. 1797 unternahm Jacques Garnerin von einem Ballon aus den ersten
Fallschirmsprung.
Im August 1913 unternahm der waghalsige Kunstflieger Adolphe Pegoud,
der für Bleriots Firma flog und als einer der ersten kopfunter geflogen
war, einen erfolgreichen Sprung mit einem Fallschirm aus einer schrottreifen
Maschine. Während des ersten Weltkrieges wurde diese sichere
Notfallausstattung nicht an die Piloten ausgegeben, weil man der Auffassung
war die Piloten würden zu rasch ihre Maschinen im Stich lassen, wenn
sie wußten sie könnten sich durch einen Sprung aus der Gefahr
begeben. Diese Einstellung kostete tausende von Flieger, darunter auch dem
Flugpionier Adolphe Pegoud, das Leben.
Als brauchbares, zuverlässiges Rettungsmittel fand der
zusammenlegbare Fallschirm erst gegen Ende des Ersten Weltkrieges in der
Fliegerei allgemein Eingang und wurde ständigesr
Ausrüstungsbestandteil einer jeden Flugzeugbesatzung. Heute besteht
der Fallschirm aus zusammengenähten Naturseide- oder Nylonbahnen, die
in geöffnetem Zustand einen halbkugelförmigen Schirm bilden. An
ihm sind die Auslaufleinen befestigt, die zu zwei kurzen Aufhängeseilen
zusammenlaufen und zum Verpackungssack führen, der an den Leibgurten
des Fliegers befestigt ist. Verpackt wird der Fallschirm als Rücken-,
Sitz-, Brust-, oder Schoß-Fallschirm getragen und wiegt etwa 5 kg.
Um ein zu starkes Pendeln beim Absprung zu vermindern, hat der Schirm in
der Mitte ein rundes Loch.
Außerdem kann der Fallschirmspringer durch Ziehen an den Seilen
das Pendeln und die Sinkgeschwindigkeit in begrenztem Umfang beeinflussen.
Die Sinkgeschwindigkeit des voll entfalteten Fallschirms beträgt etwa
5 m/sek. Der Fallschirmspringer erhält damit bei der Landung einen
Stoß, der ungefähr dem entspricht, wenn man beim freien Sprung
von einer 1,25 m hohen Leiter auf den Boden auftrifft. Beim Fallschirm mit
Handauslösung (manueller Fallschirm) muß der Abspringende selbst
an einem in den Brustgurt eingearbeiteten Griff ziehen, damit ein kleiner
Hilfsschirm sich öffnet der seinerseits den Hauptschirm aus dem Packsack
herauszieht. Der Fallschirm mit Zwangsauslösung (automatischer Fallschirm)
dagegen wird durch eine Zugleine, die vor dem Absprung am Flugzeug eingehakt
wird, herausgerissen und ohne Zutun des Abspringenden geöffnet. Die
Zugleine muß so lang sein, daß sich der geöffnete Fallschirm
an keinem Flugzeugteil mehr verfangen kann. Die Mindesthöhe für
ein sicheres Öffnen des Fallschirms beträgt hierbei 30 m über
dem Boden, bei dem Fallschirm mit Handlösung 70 m.
Der Fallschirmabsprung aus einem
Aufklärungsballon, wie hier bei einem Deutschen im Jahr 1918, galt nicht
als ehrenrührig, wenn der Ballon abgeschossen wurde. Den Flugzeugpiloten
erlaubten die Befehlshaber den Absprung jedoch nicht, weil sie
befürchteten, die Flieger würden dann nicht versuchen, ihre Maschine
zu retten. Hunderte guter Piloten kamen dadurch um.
Hier sehen Sie einen britischen Soldaten,
der gerade mit dem Fallschirm abgesprungen ist.
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