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Das Ende des Weltkrieges

"Die Materialüberlegenheit des Feindes wurde immer spürbarer, und es drohte uns das Versagen."

R. Stark, JaSta 34

TEIL 2

Die Briten hingegen hatten die Konsequenzen aus den Verlusten gezogen und versuchten durch ein Staffelung der Einheiten in verschiedenen Höhen sich gegenseitig Schutz zu geben. So war es nicht eine Seltenheit, daß angefangen von 3000 Fuß bis auf 20.000 Fuß drei oder vier Staffeln gleichzeitig unterwegs waren. In dieser Zeit kam es auch verstärkt zu sehr großen Luftschlachten aus teilweise bis 100 Flugzeuge die sich gleichzeitig in den verschiedenen Höhen bekämpften. Obwohl die Deutschen mehr abgeschossen hatten als die Alliierten, machte sich das andauernde immer wieder von neuen aufgefrischten Einheiten offensive Verhalten der alliierten Fliegereinheiten so langsam aber sich bei den Jastas bemerkbar. Im Frühsommer waren viele Jastas schon sehr erschöpft und die Taktik der lokalen Konzentration der Jastas zur Luftherrschaftgewinnung war zum Scheitern verurteilt. Die Alliierten hatten nämlich schon in ähnlicher Form darauf geantwortet so daß sich das Gleichgewicht so langsam aber sicher wieder herstellte.

In Frankreich abgeschossene RumplerAm 21.04.1918 erhielten die Deutschen einen weiteren Schicksalsschlag als das As der Asse der berühmte Manfred von Richthofen in einem Luftkampf abgeschossen wurde. So langsam zeigte es sich doch, daß auch die Überlebenden der bisherigen Luftkriegsjahre dem andauernden Ansturm der Alliierten nicht mehr gewachsen waren. In der nachfolgenden Zeit starben noch weitere führende Asse der Deutschen so z.B. im Sommer Erich Löwenhardt mit 54 Abschüssen das führende As. Nicht nur die Verluste der Veteranen und der damit verbundenen Erfahrung sollte die Jastas zunehmend in Bedrängnis bringen, sondern auch im verstärkten Maße auftretende Nachschubschwierigkeiten. So mußten viele Jastas Ersatzteile im Niemandsland aus abgestürzten Flugzeugen bergen um Ihre Maschinen überhaupt in Gang zu halten. Gegen Ende des Sommers wurde zwar immer noch erbittert Widerstand geleistet aber der zunehmende Treibstoffmangel machte sich jetzt bemerkbar und schränkte somit den Aktionsradius ein. Auch der Bodenkrieg sollte nichts positives bringen.

Am 27. Mai 1918 griffen die Deutschen franz. Stellungen entlang des Chemin des Dames an, und es wurde wieder ein Durchbruch erzielt. Hierbei wurden sie von den Spitzen Jastas unterstützt, die den vielen franz. Geschwadern schwere Verluste beibrachten. Wie zu erwarten wurde gegen den deutschen Ansturm die amerikanischen Truppen eingesetzt und am 29.05.1918 griff die 1. US Division an und nahm das Dorf Cantigny ein. Trotz der harten Gegenangriffe war diese erste offensive Operation der USA erfolgreich und man begann weitere US Einheiten in die Kämpfe zu schicken. Vom 30. Mai bis zum 17 Juni hielt die 2. und 3. US Division den deutschen Vormarsch auf und konnte ihn schließlich in die Wälder von Belleau und Chateau Thierry zurückdrängen. Zwar gelang es den Deutschen seit dem 27. Mai eine 32 km breite Ausbuchtung in die alliierten Linien zu treiben aber dies sollte auch ihre letzte Anstrengung sein. Im nachfolgenden Zeitraum wurden noch zwei weitere erfolglose Offensiven gestartet, bis zum 17. Juli waren dies die letzen Gelegenheiten, und die deutsche Armee wurde danach in die Defensive gedrängt. Nun hatten eindeutig die Alliierten den Trumpf in ihren Händen und dieser wurde jeden Monat durch einen Nachschub von 300.000 amerikanischen Soldaten in Frankreich verstärkt. Die einzige Chance der Deutschen bestand in einem für die Alliierten zermürbenden Defensivkrieg der die absolute Niederlage vielleicht in einen Friedensvertrag, als Kompromiß, führen sollte.

Im Juli 1918 bei Douai abgeschossener englischer Kampfflieger, Bild wurde freundlicherweise von H. Knopff bereitgestelltAber auch die jetzt verstärkt eingesetzten amerikanischen Fliegereinheiten sollten das Blatt zu Ungunsten der deutschen Seite noch wenden. So erzielte am 14.04.1918 das 94. Hat in the ring Geschwader seinen ersten Siege und diesem sollten bis zum Kriegsende noch 66 weiter folgen. Dieser Sieg war der erste eines offiziellen US Geschwaders gewesen obwohl die USA schon früher Siege zu verzeichnen hatte. 1917 hatten die USA bereits 250 kampfuntüchtige Flugzeuge und 131 Offiziere im Einsatz. Die Amerikaner hatte beim Aufbau einer effektiven Luftfahrtindustrie ihre Schwierigkeiten und so mußten sie sich am Anfang mit der suspekten Nieuport 28 begnügen. Sie konnten dieses Handikap aber durch die Qualität Ihrer Piloten ausgleichen. Die ersten amerikanischen Operationen fanden an der relativ ruhigen Meuse-Argonne Front statt. Im Juni rückten die 1. und die 2. Jagdgruppe (94. und 95. Luftgeschwader) an die Hauptschlachtfront in der Chateau Thierry-Soissons-Region vor. Anfangs hatten die noch unerfahrenen jungen amerikanischen Piloten es schwer mit den erfahrenere Jastas zu kämpfen da diese mittlerweile schon mit der besseren Fokker D. VII ausgestattet wurden. Die Situation konnte aber durch das Eintreffen der 2. Jagdgruppe und durch die Ersetzung der Nieuport mit Spads verbessert werden. Außerdem wurde auf deutscher Seite die JG 1, 2 und 3 an die britische Front verlegt, um den Angriffen bei Amies entgegenzusetzen.

Der berüchtigte Dreidecker wurde während dieser Zeit auf deutscher Seite aus dem Verkehr gezogen(im Juli waren es noch 65) und die anderen Typen wurden Zug um Zug durch die wesentlich besseren Fokker D. VII ersetzt. Leider gar es hiervon nicht genug und so mußten die nicht zur Elite zählenden Jastas noch mit Ihren alten Albatros und Pfalz vorliebnehmen. Ein weiteres Problem waren Motoren- Treibstoff- und Ölknappheit die die Auslieferung der neueren Generation von deutschen Flugzeugen behinderte. Im Sommer wurden von den Alliierten ein Reihe von weiteren Offensiven gestartet, die die Deutschen entlang der Front zurückweichen ließen. Am 8. August 1918 erreichten die Briten bei Amiens fast einen totalen Durchbruch. In nur drei Tagen hatten sie 11.000 deutsche Soldaten gefangengenommen, 500 Kanonen erobert und 15 km Boden gewonnen. Am 12.091918 wurde dann von den Amerikaner bei St. Mihiel eine Attacke gestartet um den Druck gegen die Deutschen aufrechtzuerhalten. Hierzu wurde in der Luft 12 Kampfgeschwader, 3 Bombengeschwader, 10 Beobachtungsgeschwader, ein Nachtaufklärungsgeschwader und 61 franz. Geschwader eingesetzt. Zusammen waren dies 701 Kampfflugzeuge, 366 Aufklärungsflugzeuge, 323 Tagbomber und 91 Nachtbomber. Die Deutschen konnten diesem Ansturm nur 72 Kampfflugzeuge, 24 Bomber, 105 Aufklärungsflugzeuge, 6 Bodenkampfflugzeuge und 6 Fotoflugzeuge mit großem Aktionsradius entgegensetzen.

Jasta 72 mit neuen Fokker D VIIEinige der Einheiten waren aber schon mit der Fokker D VII ausgestattet worden und am zweiten Tag traf das JG 2 mit 40 Maschinen, alle Fokker D VII, ein. Diese Einheit konnte demnach auch dann 80 Siege für sich verbuchen und hatte nur fünf Verluste. Am Ende des Monats trat dann noch JG 1 unter der Führung von Hermann Göring in das Geschehen ein um die bisherigen Einheiten zu entlasten und den Amerikanern entgegenzutreten. Aber gegen diese Übermacht war es selbst für die Elite Einheit der Deutschen ein harter Kampf und so mußten sie bereits im August den Verlust aller 4 ihrer Jasta Kommandanten beklagen. Zudem war Löwenhardt gestorben, Lothar von Richthofen und Wenzel verwundet und Udet zog sich erschöpft aus dem aktiven Dienst zurück. Das JG 1 war wie alle Elite Einheiten mit der Fokker D VII ausgestattet worden und besaß sogar einiger der brandneuen D VIII Fokker Eindecker. Der September sollte der letzte blutige Höhepunkt aller Luftstreitkräfte werden. Auf deutscher Seite wurden die letzten verzweifelten Versuche unternommen den Alliierten noch einige schwere Schäden zu versetzen aber mit zunehmendem Treibstoff - und Materialmangel war dies nur noch in beschränkten Operationen möglich.

Viele Jastas waren nur noch ein Schatten ihrer selbst und konnten nicht mehr als sechs Flugzeuge auf Patrouille schicken. Jasta 11 erzielte nur noch 8 Siege, Jasta 36 bestand nur noch aus drei Flugzeuge und wurde von der Front abgezogen. Nur noch Jasta 5 konnte als Spitzeneinheit Erfolge im Luftkampf erzielen. Am 27. September wurde dann von der alliierten Armee die Hindenburg Verteidigungslinie angegriffen. Merkwürdigerweise viel die deutsche Position sehr schnell und so konnten sie die Alliierten bereist am 08. Oktober einnehmen. Der Vormarsch wurde daraufhin ohne Verzögerung weitergesetzt und am 17. Oktober konnte eine Camel im befreiten Hafen von Ostende landen. Doch die Jastas kämpften bis zum bitteren Ende weiter und so verloren die RAF am 30. Oktober 41 Kampfflugzeuge bei allerdings 67 Siegen. Der Vormarsch der Briten durch die Hindenburg Linie wurde noch zusätzlich durch die amerikanische Armee in der Meuse-Argonne-Region unterstützt. Zwar konnte der alliierte Vormarsch durch frische deutsche Nachschubtruppen verlangsamt werden aber dies konnte nur eine aufschiebende Wirkung auf den weiteren Kriegsverlauf bedeuten. Anfang November bereits konnten frische amerikanische Einheiten den Angriff weiterführen und die letzten deutsche Verteidigungslinien wurden überrannt.

Am 11. November kapitulierte Deutschland und der Kaiser floh ins neutrale Holland. Die Bilanz des Krieges war erschreckend : 90 % der franz. Männer zwischen 18 und 24 wurden getötet oder waren verletzt. 60 % der franz. Truppen fielen im Kampf. Deutschland hatte 1,8 Mil., Österreich-Ungarn 1,2 Mil., Rußland 1,7 Mil, Frankreich 1,38 Mil., USA 0,1 Mil. und England 0,94 Millionen Tote zu beklagen. Die deutschen Luftstreitkräfte hatten 6840 Männer verloren, 7350 Verwundete und 2751 in Gefangenschaft oder vermißt. Im deutschen Heimatdienst kamen 1800 Personen um, davon 98 % beim Flugunterricht. Von den 3200 Toten im Dienst bzw. Felde kamen noch einmal 1450 ohne Feindeinwirkung ums Leben. Insgesamt 3250 Männer oder 47,5 % des fliegenden Personals kamen also um, ohne daß der Gegner direkt etwas dazu beigetragen hätte. Von den Verletzten kamen sogar 51,8 % ohne Feindeinwirkung zu Schaden und davon wieder 43,8 % beim Fliegenlernen hinter der Front. Der Anteil der Offiziere an allen Toten und Verwundeten lag bei etwa 50 %, weil insgesamt in der Fliegerei Offiziere dominierten( fast alle Beobachter waren wegen der besonderen Aufgabe Offiziere auch wenn dies auf die Flugzeugführer nicht zutraf). Die offiziell im Luftkampf Gefallenen mit 1420, davon allein 710 Beobachter, ist dagegen bescheiden. Der gegnerischen Luftabwehr hingegen fielen bei 104 registrierten Abschüssen 230 Personen zum Opfer.Von den Assen, die sicher zu den allerbesten zählten, überlebten nur eine kleine Zahl und diese war wesentlich geringer als die Zahl der im Krieg getöteten.

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