Edward Mannock

29.05.1887 - 26.07.1918


 Edward Mannock
Siege: 73
Orden: Vict Cross, Dist. Serv. Ord. & 2 Bars, Mil. Cross
Einheit: 40, 74, 85
Rang: Major
Flugzeug: Nieuport Scout, SE5a
Im Vergleich zu Albert Balls draufgängerischer Art zu Fliegen, war Mick Mannocks Methode eher langweilig. Zusätzlich hatte er mit körperlichen Problemen zu kämpfen. Zum einen war er nicht unbedingt ein Naturtalent und im Alter von 30 Jahren bereits zu alt, um sich den Stil eines Jüngeren anzueignen, zum anderen trug die Tatsache, daß er auf seinem linken Auge fast blind war, auch nicht gerade zu einer Besserung seiner Situation bei. Sein größtes Problem war jedoch seine manchmal geradezu panische Angst, die ihn seit einigen traumatischen Erlebnissen aus frühen Kriegstagen immer wieder überfiel. Um sein Selbstvertrauen zu stärken entschoß sich Mannock, eine im Militärkasino immer wieder auftretende Frage zu beantworten: Wie steil kann man mit der Nieuport in den Sturzflug gehen, ohne daß die Flügel abbrechen? Er startete seine Maschine und führte eine Reihe von Sturzflügen aus, einer immer etwas steiler als der vorangegangene, bis sich schließlich sein unterer Flügel aufzulösen begann. Es gelang ihm zwar, sicher zu landen, doch wußte er, daß er die Grenzen seiner Maschine erreicht hatte. Nur wenige Grad steiler, und er hätte seine Nieuport in Fetzen gerissen. Dank dieser Testmanöver hatte das Geschwader gute und wichtige Informationen über Mensch und Maschine gesammelt. Immer über dem Gegner, selten auf einer Höhe und niemals unter ihm. Diese von ihm eisern befolgte Regel war das Geheimnis für Mannocks Erfolg. Er traf Anfang 1917 an der Front ein und konnte bis Ende des Jahres 20 Abschüsse auf seinem Konto verbuchen. Ausnahme bestätigen natürlich die Regel - Mannocks Weisheit lag jedoch darin zu erkennen wann man eine Ausnahme machte. Mannock kümmerte sich auch stets um neue Piloten. Es war typisch für ihn, in einem Gefecht ein gegnerisches Flugzeug zu beschädigen und dann abzudrehen, um dem Neuling einen Abschuß zu ermöglichen. Nach der Landung bestand er dann darauf, daß der Treffer allein dem jüngeren Piloten zugerechnet wurde. Mannocks offizielle Abschußquote wird mit 73 beziffert, wobei viele annehmen daß die tatsächliche weit über hundert gelegen haben muß. Mannock liebte sein Land und haßte den Feind. Niemand hätte es verwundert, wenn er seinem Opfer bis auf den Boden gefolgt wäre, um ihn zu skalpieren. Dies entsprach natürlich nicht seiner Moral, doch wenn es die Situation zuließ, dann landete er manchmal neben seinem abgeschossenen Gegner, um eine Trophäe, z. B. einen Propeller zu ergattern. In solchen Fällen ließ er seine Maschine ausrollen, ohne jedoch den Motor auszuschalten, sprang aus seinem Sitz, schnappte sich seine Trophäe und hob sofort wieder ab. Mannock war der geborene Taktiker. Er wußte immer, was um ihn herum geschah, und erkannte bedrohliche Entwicklungen bereits im Ansatz, wodurch er das Blatt stets zu seinen Gunste wenden konnte. Seine Fähigkeit , eine Situation in Bruchteilen von Sekunden zu erfassen und darauf zu reagieren, war einmalig. Viele alliierte Piloten verdanken Mannocks außergewöhnlichen Fähigkeiten ihr Leben. Mannocks begann seine Karriere langsam und kümmerte sich stets um die Anfänger. Dennoch duldete er keine Feigheit. Er warnte seine Piloten immer, daß die einzige Entschuldigung , die er für einen Ausbruch aus einer Formation gelten ließ, ein Motorschaden sei. Einmal feuerte Mannock auf einen erfahrenen Piloten seiner eigenen Staffel eine Salve ab, als dieser aus einem Gefecht ausbrach. Der Veteran kehrte zur Basis zurück, und Mannock ließ ihn unverzüglich aus seiner Staffel entfernen. Mannocks Gewohnheit, abgeschossene Gegner zu folgen, um eine Trophäe zu ergattern, wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Im Juli 1918, nach 18 Monaten an der Front folgte er einem Opfer zuviel und wurde von der Infanterie abgeschossen. Er wurde umgehend mit dem Viktoriakreuz ausgezeichnet. Den Orden übergab man seinem Vater.


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