| Albert Ball trat zu Kriegsbeginn 1914 im Alter von 18 Jahren in die Armee
ein. Er brachte es bei den Sherwood Foresters bis zum Leutnant. Im Januar
1916 wechselte er zum RFC über und wurde nach zwei Wochen der 13. Staffel
Frankreich zugeteilt, um die BE2c zu fliegen. Er hätte seine Karriere
zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt beginnen können. Seine Aufgabe,
Artillerie-Aufklärungseinsätze in einer verwundbaren BE2c zu fliegen,
als die Fokker-Eindecker die absolute Lufthoheit hatten, schien sein Schicksal
bereits als Fokker-Futter besiegelt zu haben. Doch er hatte Glück und
wußte es zu nutzen. Es gelang ihm sogar, mit seinem Einsitzer eine
zweisitzige Albatros vom Himmel zu holen, woraufhin er in ein Kampfgeschwader
versetzt wurde. Ball bekam eine Nieuport Scout und bewies schon
bald, daß er ein großartiger Kampfpilot war. Er war ein
Einzelgänger, der am liebsten ohne fremde Hilfe zurechtkam. Er entwickelte
eigene Kampftaktiken, die recht ungewöhnlich, oft sehr gefährlich
waren und beinahe selbstmörderische Züge aufwiesen. Doch der Erfolg
gab ihm recht. Er kämpfte und flog ohne Rücksicht auf sein eigenes
Leben. Oftmals kehrte er mit einer völlig durchlöcherten Maschine
zu seinem heimatlichen Flughafen zurück. Es war gefährlich, ihm
in der Luft zu nahe zu kommen. Bei einem Luftkampf traf Ball auf zwei Albatrosse
über den feindlichen Linien. In einem kurzen Gefecht erlitten die beiden
deutschen Flugzeuge leichte Schäden und drehten ab. Ball verfolgte sie
und verschoß seine gesamte Munition. Er war so wütend über
die Flucht seiner Gegner, daß er sie sogar mit seinem Revolver unter
Beschuß nahm, doch die beiden Albatrosse konnten schließlich
sicher landen. Ball beließ es jedoch nicht dabei. Er warf eine Nachricht
über dem feindlichen Hangar ab, daß er am nächsten Tag
wiederkommen würde, um den Kampf zu beenden. Am nächsten Tag flog
Ball auch tatsächlich die feindlichen Basis an und traf in der Luft
erneut auf die beiden Albatrosse. Er hängte sich sogleich an das Heck
einer seiner beiden Gegner. Plötzlich peitschten Kugeln durch die Luft.
Als er seinen Kopf drehte, entdeckte er drei weitere ungeladene Gäste
hinter sich. Die Falle hatte zugeschnappt, und seine Chancen standen fünf
zu eins. Der Kampf war hart und gnadenlos, aber schließlich mußte
Ball der Chancenungleichheit Tribut zollen; seine Munition ging zuneige.
Ball entschied sich zu einem letzten, verzweifelten Manöver. Er begann,
seine Maschine in wilden Kreisen der Erde entgegentrudeln zu lassen, und
riß erst im allerletzten Moment den Steuerknüppel hoch, um
äußerst unsanft auf dem Boden aufzusetzen. Die Deutschen waren
überzeugt davon, daß sie ihn getroffen und verletzt hatten. Da
sie ihn unbedingt lebend wollten, setzten zwei Maschinen zur Landung an,
während die anderen nach Hause abdrehten, um die glorreiche Botschaft
der Gefangennahme des britischen Fliegerasses zu verkünden. Aber Ball
war nicht verletzt. In dem Moment, in dem die Deutschen auf ihn zugerollt
kamen, gab er Vollgas, hob wieder ab und entkam ihnen. Ball erkannte und
akzeptierte einen gleichwertigen Gegner. Einmal lieferte er sich mit einem
unbekannten Piloten ein einsames Gefecht in den Wolken. Beide kämpften
tapfer und verbissen. Beide bedienten sich dabei jedes Tricks, an den sie
sich erinnern konnten. Sie waren sich ebenbürtig, einer genauso kühl
und besonnen wie der andere, und nach einiger Zeit ging die Munition aus.
Normalerweise hätte Ball in so einer Situation nun versucht, den Gegner
zu rammen, doch diesmal tat er es nicht. Beide flogen Seite an Seite, lachten,
winkten einander zu und drehten dann ab. Später schrieb er: Dieser Hunne
war ein echter Sportsmann. Im Alter von 19 Jahren wurde Ball Kapitän
und bekam ein eigenes Kommando zugeteilt. Diese neue Verantwortung zwang
ihn orthodoxere Luftkampftaktiken anzunehmen. Er widmete seine Aufmerksamkeit
daher mehr der Geschwindigkeit seiner Maschine und entwarf eine
stromlinienförmige Aluminiumkegel als Propelleraufsatz, den er rot anstrich.
Obwohl farbige Markierungen beim RFC eigentlich nicht erlaubt waren, duldete
man Balls Vorgehen stillschweigend. Die rote Flugzeugspitze wurde somit Balls
Markenzeichen. Am frühen Nachmittag des 07. Mai 1917 nahm Ball an einem
Patroullienflug mit 10 anderen Fliegern teil. nur 5 von ihnen kehrten
zurück - Ball war nicht darunter. Man hatte ihn in der Schlacht das
letzte Mal gesehen, als er auf der Verfolgungsjagd eines roten Doppeldeckers
in die Wolken abtauchte. Die Deutschen behaupteten zwar, daß der
Abschuß auf das Konto Richthofens Staffel ging bzw. Lothar von
Richthofen. Es gibt bis heute jedoch keinen exakten Beweis für die deutschen
Angaben, obwohl sich seine 56. Staffel sicherlich mehrmals kurze Gefechte
mit Richthofens Jagdstaffel geliefert haben muß. |