Im Juli 1915 häuften sich beim RFC die Berichte über
Fokker-Eindecker, die angeblich Kugeln durch ihren Propeller hindurch spucken
konnten. Die britischen Piloten mußten von nun an Zusammenstöße
mit dem Gegner tunlichst vermeiden. Es war Oswald Boelcke, der den ersten
Abschuß (am 04.07.1915) einer RFC-Maschine mit der revolutionären
Erfindung, dem synchronisierten Maschinengewehr, erzielte. Boelcke visierte
sein Ziel an, indem er sein Flugzeug geradeaus auf den Gegner richtete. Die
klassische Luftkampfmethode des gleichzeitigen Fliegens und Schiessens war
geboren.
Oswald Boelcke, geboren am 19.05.1891 in Giebichenstein bei Halle, trat nach
seinem Abitur 1911 erst als Fahnenjunker im Telegraphen Bataillon Nr. 3 in
Koblenz am Rhein seine militärische Kariere an.
Im Mai 1914 wechselte er zur Fliegertruppe des Deutschen Heeres. Wobei er
seine Ausbildung in der Halberstädter Fliegerschule erfolgreich
abschloß (letzte Pilotenprüfung am 15.08.1914).
Seinen Fronteinsatz erfolgte danach in der Fliegerabteilung 13; wo er sogar
mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Wilhelm als Beobachter flog.
Im Frühjahr erfolgte dann die Versetzung zu verschiedenen Einheiten.
Oswald Boelcke kam hierauf im April 1915 zur neu aufgestellten Fliegerabteilung
62 in Döberitz. Kurze Zeit später erfolgte die Verlegung dieser
Einheit nach Douai in Frankreich und Boelcke lernte einen noch später
sehr berühmten Kameraden, Max Immelmann den "Adler von Lille", kennen
und schätzen. Am 04.07.1915 errang dann Oswald Boelcke seinen ersten
Luftsieg indem er eine Morane Bullet abschoß.
Zusammen mit Immelmann erhielt auch Boelcke am 12.01.1916 für Ihren
8. Abschuß vom Kaiser den höchsten preussischen Orden für
Tapferkeit gegenüben dem Feind, den "Pour le mérite" (später
genannt zu Ehren von Max Immelmann und wegen der bläulichen Färbung
"Blauer Max"). Sie waren somit die ersten beiden Piloten die während
des Ersten Weltkriegs dieser Auszeichnung verliehen bekamen.
Im März 1916 erfolgte die Aufstellung der Fliegerstaffel Sivery, der
sogenannte erste Vorläufer der späteren Jagdstaffeln (siehe hierzu
auch meine Seite Jastas, JG und "fliegender Zirkus"). Diese Einheit bestand
aus sechs Kampfpiloten unter der Führung von Boelcke.
In den Wochen vor der Somme - Offensive 1916 wurde von dem deutschen
Oberkommando bemerkt, daß die Luft-Vorherrschaft (siehe Fokker-Plage)
verloren ging. Es mußte also dringend eine Reorganisierung
stattfinden.
Boelcke wurde daraufhin von seiner Inspektionsreise in den Balkan, die er
nach dem Tod von Max Immelmann (18.06.1916) antrat, unverzüglich
zurückbeordert und erhielt die Aufgabe zur Reorganisation der
Luftstreitkräfte.
Diese Reorgansisation beruhte auf eine von Ihm vorgeschlagene Idee, die bislang
gemischten Verbände neu einzuteilen. Jede dieser Staffeln bestand aus
12 Flugzeugen, eingeteilt in zwei Gruppen zu je 6 Maschinen, welche wiederum
in zwei Dreierketten untergliedert wurden. Ihre Aufgabe bestand darin,
gegnerische Aufklärer vom Himmel zu holen.
Von Major von der Lieth Thomsen erhielt der inzwischen zum Hauptmann
beförderte Boelcke die Erlaubnis seine Piloten für seine eigene
Fliegerstaffel selbst auszusuchen. Die Jasta 2 wurde daraufhin offiziell
am 10.08.1916 ins Leben gerufen, wobei er in diese auch Kameraden der Einheit
seines Bruders (Kampfgeschwader 2), darunter so Namen wie Manfred von Richthofen,
Erwin Böhme, einverleibte.
Boelcke übernahm die Auswahl von Piloten und Ausrüstung sowie die
Ausbildung der Piloten, unter anderem auch die von Richthofen. Der 17. September
1916 gilt als Gründungstag der Königlich Preussischen Jagdstaffel.
Nachdem Boelcke seine Jagdstaffel gebildet hatte, bedurfte es zunächst
viel Training, bis sie sich das erste Mal in einer Schlacht bewähren
sollte.
Drei Wochen lang war Boelcke der einzige aktive Pilot seiner Staffel. Er
stieg bereits in den frühen Morgenstunden auf, um noch vor dem
Frühstück einen feindliches Flugzeug abzuschießen. Wenn er
mit pulvergeschwärztem Kinn zurückkehrte, wußten seine
Männer, daß er erfolgreich gewesen war, denn er verschwendete
nie eine Kugel. Boelcke perfektionierte, ähnlich wie Albert Ball, jene
gefährliche Luftkampftechnik, bei der man frontal auf seinen Gegner
zufliegt, bis dieser im letzten Moment abdreht.
Genau in diesem Augenblick, wenn die feindliche Maschine ihm ihre verwundbarste
Stelle offenbarte, gab Boelcke ihr dann den tödlichen Stoß. Boelcke
kannte man auf beiden Seiten sehr gut, und die Briten wußten, wo er
zu finden war. Sie flogen mehrere Bombardierungseinsätze gegen seinen
Flugplatz bei Lagicourt, um ihn für immer zum Schweigen zu bringen.
Oswald Boelcke war am 28. Oktober 1916 bereits fünfmal mit seiner Staffel
aufgestiegen, als um 16:30 Uhr erneut ein Anruf von der Front kam. Zehn Minuten
später sind Boelcke und fünf weitere Piloten in ihren Albatros
D II Jägern in der Luft. Sie werden in ein Gefecht mit zwei DH2s der
24. Staffel verwickelt, die von Leutnant Knight und Leutnant McKay geflogen
werden.
Boelcke stützt sich auf Knight, nicht wissend, daß sein Freund
Leutnant Erwin Böhme, sich dieselbe Maschine als Ziel ausgewählt
hat. Die Unterseite seines Flugzeuges streift Boelckes oberer linker
Flügel, und beide stürzen ab. Während Böhme den Aufprall
überlebt, ist Boelcke sofort tot. Anzumerken ist hierzu, daß
Boelcke sich in der Eile beim Start nicht angeschnallt hatte (siehe
aber hierzu das untere Bild). Wäre er angeschnallt gewesen, hätte
er seinen kontrollierten Absturz überleben können. Die
Engländer werfen daraufhin später einen Kranz über der Front
ab, der die Inschrift trägt:
Zum Gedenken an Kapitän Boelcke, einem mutigen und tapferen Gegner.
English Royal Flying Cops.
Seine Beerdigung erfolgte auf dem Ehrenfriedhof seiner Heimatstadt Dessau.
Das Grab ist auch heute noch vorhanden und kann besichtigt werden.
Dicta Boelcke:
Boelcke bildete seine Flugzeugführer geduldig aus, beobachtete sie
sorgfältig bei jedem Zusammentreffen mit dem Gegner, wertete ihre Leistungen
immer wieder aus, um sie weiter zu verbessern.
Er hob mehrere Kernpunkte hervor:
1. Schau immer danach eine bessere Position zu erreichen wie der Gegner.
Steige zuerst auf große Höhe und greife dann erst an, wenn der
Gegner damit nicht rechnet. Greife immer von hinten an.
2. Versuche dich immer in eine Position zu stellen, in der du die Sonne im
Rücken hast. Der Gegner wird dadurch von der Sonne geblendet und
kann keinen guten Schuß ausführen.
3. Feuer das MG nie aus zu weiter Entfernung ab oder wenn du ihn nicht genau
im Visier hast.
4. Greife an wenn der Gegner nicht damit rechnet, bzw. wenn er mit anderen
Aufgaben beschäftigt ist. (z. B. Bombardierung, Aufklärung..)
5. Ergreife nie die Flucht vor einem gegnerischen Flugzeug, wenn es auf dich
schießt. Sondern kehre um und greif ihn an.
6. Verfolge den Gegner mit deinen Augen und lasse ihn nicht entkommen durch
Tricks. Falls dein Gegner beschädigt ist, folge ihm, bis er abgestützt
ist, um sicher zu sein, daß er nicht entkommen ist.
7. Leitsinn und Übermut bringt meistens den Tod. Die Jasta muß
als Einheit fliegen mit Teamgeist zwischen allen Piloten. Den Signalen des
Führers muß Folge geleistet werden.
Bild von der Absturzstelle mit der
Leiche von Oswald Boelcke. In der Fachliteratur wird teilweise immer davon
gesprochen, dass Boelcke den Absturz event. überlebt hätte, wenn
er angeschnallt gewesen wäre (siehe auch meine obige Kurzbiographie).
Anhand von diesem Foto kann aber meiner Meinung nach eine Überlebenschance
ausgeschlossen werden. |