Georges Marie Ludovic Jules
Guynemer

24.12.1894 - 9.9.1917


Georges Marie Ludovic Jules Guynemer
Siege: 54
Orden: Dist. Serv. Ord. & 2 Bars, Mil. Cross, Rssn. Ordr. of St. George
Einheit: N. 3, SPA. 3
Rang: Capitaine
Flugzeug: Nieuport 17, Spad SVII
Guynemer war ein zerbrechlich wirkender Bursche, dessen Aufnahmeantrag vom Militär dreimal abgelehnt wurde. Später erwies er sich über den Schlachtfeldern der Westfront jedoch als echte Kämpfernatur. Guynemers Art zu Fliegen war wagemutig und rücksichtslos und stand in direktem Kontrast zu Foncks kühlem und besonnenen Auftreten. Nachdem er seine schwache Gesundheit gefestigt hatte, entwickelte er sich rasch und wurde bald ein Angehöriger des Elitegeschwaders von Stork "Les Cignogues". Brocard, der berühmte Kommandant der Stork - Geschwaders, hatte zunächst große Bedenken, Guynemer überhaupt starten zu lassen. Doch sein erster Eindruck sollte sich als falsch erweisen. Guynemers erster Sieg in seiner Nieuport erfolgte am 5. Dezember, als er westlich von Chantray von einer Gruppe feindlicher Jäger angegriffen wurde. Obwohl sein Opfer später in einem Baum gefunden wurde, rechnete man ihm den Abschuß allerdings offiziell nie an. Zu Guynemers Aufträgen gehörten insbesondere Geleitschutzeinsätze für Bomber, Aufklärer oder Artillerie-Auskundschafter. Diese zählten zu den schwierigsten Einsätzen überhaupt, vor allem wenn man dabei auf feindliche Flugzeuge traf. In den Wintermonaten 1915-16 hatten die deutschen Luftstreitkräfte dank der Fokker-Jäger mit synchronisiertem Maschinengewehr den Himmel fest unter ihrer Kontrolle. Geleitschutzflüge waren echte Himmelfahrtskommandos, ganz gleich, ob man dabei zu den Beschützern oder den Beschützten gehörte. Im Frühjahr 1916 wurde Guynemer zum Offizier ernannt und seine Einheit nach Verdun verlegt. Hier gelang es den Alliierten, den Deutschen die Luftherrschaft zu entreißen, während am Boden eine erbarmungslose, blutige Schlacht tobte. Guynemer selbst wurde bereits am ersten Tag verletzt und bekam daher von der Schlacht nicht viel mit. Guynemer war sein ganzes Leben lang mit seiner schwächlichen Gesundheit geschlagen. Er besaß jedoch außergewöhnlich scharfe Augen, die es ihm ermöglichten , einen für andere Piloten noch unsichtbaren Feind zu erkennen und ihm einen tödlichen Schlag zu versetzen bevor sich sein Opfer überhaupt der Gefahr bewußt werden konnte. Seine Kampfmethode sah auf den ersten Blick Mannocks Taktiken ähnlich. Während eines Gefechtes ließ er sich jedoch in der Regel hinter und unter seinen Gegner fallen. Zum einen befand er sich somit im toten Winkel des Gegners, zum anderen konnte die Nieuport ausgezeichnet aufwärtschießen. Dabei behielt Guynemer aber immer seine Geschwindigkeit bei und konnte dadurch, falls es die Situation verlangte, schnell wieder an Höhe gewinnen. Die Storks waren regelmäßige Gefechtsgegner der 15. Jagdstaffel, und Guynemer feierte viele Erfolge gegen sie. Unter anderem erzielte er vier Abschüsse an einem Tag. Udet, der Deutschlands zweitgrößter Pilot werden sollte, war ebenfalls ein Angehöriger der Jasta 15. Zu dieser Zeit konnte er jedoch erst sechs Abschüsse für sich verbuchen. Sicherlich war er damit kein Anfänger mehr, aber mit Guynemers 41 konnte er noch nicht mithalten. Als Udet im Frühjahr 1917 den weißen Vogel mit rotem Schnabel auf einem gegnerischen Flugzeugrumpf erblickte, wußte er, daß er gegen einen Stork kämpfte. Und als er dann auch noch ein persönliches Zeichen, nämlich Vieux Charles, erkennen konnte, wußte er , daß es sich um Guynemer Maschine handelte. Am Ende dieses langen Gefechts ergab sich für Udet die Chance für einen guten Schuß. Doch sein Gewehr blockierte. Verzweifelt versuchte er, seine Waffe wieder in Gang zu bringen, als Guynemer sich an sein Heck hängte. Dieser erkannte, daß sein Gegner sich nicht wehren konnte, flog längsseits, winkte ihm zu und drehte ab. Ernst Udet brachte es auf 62 Abschüsse. Ein ganzes Geschwader deutscher Gotha-Bomber befand sich im Anflug auf Nancy. Guynemer entschied sich dazu, sie aufzuhalten. Es war das erste Mal, daß er einen dieser riesigen Bomber zu Gesicht bekam. er flog seinen gewohnten Angriff von unterhalb des Hecks, als er zu seiner Überraschung sah, wie sich eine Luke öffnete und ihm ein Kugelhagel um die Ohren flog. Er drehte ab und griff den Bomber erneut an, diesmal frontal und in einem sehr steilen Winkel. Es gelang ihm, einen Motor zu treffen und die Maschine so zur Landung zu zwingen. Es war die erste Gotha, die von den Franzosen erbeutet werden konnte. Im Frühjahr und Sommer 1917 hielt Guynemers Erfolg weiter an, und er erreichte seinen fünfzigsten Abschuß. Die tägliche Anspannung zehrte jedoch an seinen Nerven und machte ihm schwer zu schaffen - er wurde immer nervöser und reizbarer. Am 9. September dann fand Guynemers Leben ein mysteriöses Ende. Er wurde zuletzt in einem Gefecht gesehen, als er gegen einen feindlichen Jäger kämpfte. Später dann, als die britischen Streitkräfte Poelcapelle erobert hatten, hörte man daß eine Spad nahe den deutschen Schützengräben abgestürzt wäre. Anhand der Papiere hatte man angeblich Guynemer als Piloten identifiziert. Das darauf folgende, drei Tage andauernde Bombardement löschte alle Spuren, die zum Verbleib des Piloten ober seiner Maschine hätte führen können, für immer aus.


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