"Das Fliegen ist das Einzige für das es sich lohnt zu Leben."
Ernst Udet
In den USA war die Entwicklung der Luftfahrt Anfang der 20er Jahre
noch nicht so weit entwickelt wie es in Europa zu dieser Zeit üblich
war. Grund hierfür war sicher der späte Eintritt der USA in den
I. Weltkrieg. So war es nicht verwunderlich, daß das Haupteinsatzgebiet
der Flugzeuge auf den Langstrecken-Postverkehr beschränkt war.
Dies führte sicher auch dazu, daß viele Firmen, wie z.
B. die 1913 von Allan und Malcolm Loughead (Lockheed) gegründete Firma
bereits 1921 sich auflöste, weil viele Militärmaschinen auf den
Markt drängten und diesen überschwemmten. Dies änderte sich
erst 1925, als die Postrouten privatisiert wurden, und Namen, die in der
Flugzeugindustrie lange vorherrschten sollten, sich mehr Absatzchancen
versprachen. Einer davon war William Boeing der die Boeing Air Transport
gründete - aus der später die United Air Lines entstand.
1926 meldeten sich die Lougheads mit einer von John K. Northrop
entworfenen stromlinienförmigen Hochdecker Maschine zurück, die
Lockheed Vega (siehe Ausl. Flugzeuge). Auch eine der berühmtesten
Nachkriegsmaschinen, die dreimotorige Tin Goose (Blechgans) der Ford Motor
Company entstand während dieses Zeitraums.
Es zeichnete sich daher ein großer Aufschwung ab, der durch
den schon 1920 ausgesetzten Orteig Preis von 25.000 US $ für den ersten
Nonstopflug zwischen New York und Paris, sicher noch ein wenig angeheizt
wurde. Dieser Preis war über eine Strecke ausgesetzt worden die doppelt
so weit war wie der Atlantikflug von Alcock und Brown im Jahre 1919.
1926 unternahm Rene Fonck, einer der erfolgreichsten franz. Flieger
Asse des I. WK, mit einer zu schwer beladenen dreimotorigen Sikorsky den
ersten Versuch. Leider stürzte er dabei beim Start in New York im September
1926 ab und zwei seiner Besatzungsmitglieder starben. Der Nächste Richard
Byrd, der amerikanische Nordpolchampion im April 1927, stützte ebenfalls
mit seiner dreimotorigen Fokker ab.
Zwei Tage später erfolgte ein Absturz eines Mitstreiters aus
der U.S. Navy und dessen Kopilot bei einem Probeflug tödlich. Ein weiterer
berühmter Mitstreiter, der Franzose Charles Nungesser, auf Platz drei
der franz. Kriegs Fliegerhelden, verschwand am 8. Mai nach dem Start in Paris
für immer auf dem Atlantik.
Erst
am 20. Mai 1927 sollte sich dies ändern als der 25 jährige Charles
Lindbergh, großgeworden in Minnesota, mit einem eigens dafür
entwickelten Ryan Hochdecker (220 PS Wright Whirlwind Triebwerk) in New York
sich auf dem Weg machte. Charles Lindbergh wurde dabei von Geschäftsleuten
aus St. Louis finanziert und sein Flugzeug bekam daraufhin den Namen The
Spirit of St. Louis. Hierbei wurde sein Flug von Tausenden beim Start bejubelt
und schließlich wurden die Berichte aus St. John`s, Neufundland von
Millionen am Radiogerät weltweit verfolgt, als er auf das offene Meer
flog.
Während des Fluges (5.780 Km, 33 Stunden und 39 Minuten) mußte
er gegen die Müdigkeit, das Eis und Unwetter ankämpfen und gelangte
schließlich an die irische Küste, von wo er den Ärmelkanal
überquerte und bei Einbruch seiner zweiten Nacht in der Luft das franz.
Flugfeld Le Bourget erreichte. Dieses war von Automobilscheinwerfern hell
erleuchtet worden, denn Tausende sehnten seine sichere Ankunft herbei. Über
den Nonstopflug gibt es eine kleine Anekdote, die vielleicht noch
erwähnenswert ist. Lindberghs Hochdecker hatte zur damaligen Zeit die
modernste Instrumentenkonsole. Eines der interessantesten Instrumente war
ein Periskop mit dem er vor das Flugzeug sehen konnte, was sonst nicht
möglich gewesen sein wäre.
Allerdings nahm er auch einige Instrumente nicht mit, die ihm den
Flug erleichtert hätten. Hierzu zählt ein Funkgerät, das nach
Lindberghs Meinung immer dann ausfiel wenn man es am dringendsten brauchte
und einen Sextanten den er als zu schwer hielt. Den geflogenen Kurs trug
er in eine Karte ein und benutzte während des Fluges Orientierungspunkte
wo es ging. In der 27. Flugstunde, und 15 Stunden nach seinem letzten
Orientierungspunkt in Neufundland, machte er sich Gedanken über seine
Position. Gemäß den Berechnungen sollte er in der Nähe von
Irland sein. Plötzlich entdeckte er ein kleines Fischerboot - Land
mußte in der Nähe sein, aber welches? Er stellte den Motor ab
und segelte zu den Fischern hinab, die mit verdutzten Gesichtern dreinschauten.
Lindbergh lehnte sich aus dem Fenster und rief: "Wo geht`s nach Irland?"
Dies war sicherlich das erste und einzige Mal daß ein Pilot
so "nach dem Weg gefragt hat". Entweder hatten die Fischer Lindbergh nicht
verstanden, oder sie waren zu verwirrt, um ihm zu antworten. So setzte er
seinen Flug fort. In der Nähe von Valentia an der Spitze von
Südwestirland konnte er Land sichten. Er hatte 16 Stunden über
Wasser navigiert und war nur knapp 8 km vom Kurs abgewichen. Berücksichtigt
man den damaligen Entwicklungsstand der Instrumente, so war dieser Flug eine
beachtliche Leistung.
Das weltweite Lindbergh Fieber ließ erst nach Monaten wieder
nach. Er war ein Held wie aus dem Bilderbuch: gutaussehend, bescheiden, gepflegt
, höflich und wortkarg. Lindbergh fand sogar Zeit die verzweifelte Mutter
von Nungessers zu besuchen. Jeder, vom Mann auf der Straße bis hin
zum franz. Präsidenten und dem König von England, wollte ihn sehen.
Bei der Ankunft der Spirit of St. Louis in Croydon England, kamen sogar mehr
Menschen als bei seiner Ankunft in Paris. Von Präsident Coolidge wurde
sogar das Kriegsschiff USS Memphis ausgesandt ihn nach Hause zu holen.
Selten wurde einem Anderem ein größerer Empfang in den
USA beschert wie ihm, und er konnte sogar bedingt durch seinen begeisterten
Empfang in Mexiko die Spannungen zwischen seinem Heimatland und diesem
entschärfen.
Durch diesen Begeisterungsansturm flossen zusätzlich Geld und
Talent in den amerikanischen Flugzeugbau und seiner Fluglinien. 1926 hatte
es zwölf Fluglinien gegeben, 1928 waren es bereits 25. Einige Tage nach
Lindberghs Flug wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die Transcontinental
Air Transport (später TWA), und er wurde Vorsitzender des techn.
Ausschusses, verantwortlich für das Einrichten neuer Routen. 1930
unternahmen in Amerika die vier größten Fluglinien : TWA, Eastern
und American; bereits doppelt so viele Flüge wie in ganz Europa.
Später machte Lindbergh noch einmal, allerdings traurige,
Schlagzeilen, als sein Sohn entführt und ermordet wurde. 1933 kehrte
er schließlich enttäuscht Amerika den Rücken. Als er erst
1941 zurückkehrte wurde er als Faschist und Defätist beschimpft.
Charles
A. Lindbergh war das Ideal des amerik. Helden: groß, gepflegt, gutaussehend
und wortkarg. Der 25jährige, in Minnesota großgeworden, war als
Kunstflieger aufgetreten, hatte Luftpostflugzeuge geflogen und war Reservepilot
des Army Air Coprs. Unmittelbar vor seinem Atlantikflug vom 20 Mai 1927 hatte
er einen Rekordflug über den amerik. Kontinent unternommen.
Kaum
je zuvor oder je wieder hat Amerika einen Mann so gefeiert wie Charles Lindbergh.
Eine Begrüßung mit einem Menschenauflauf und Konfettiwirbel wie
diesem bei seiner Rückkehr vom heroischen Ozeanflug hatte New York noch
nicht gesehen. Wochenlang war er auf dem Kontinent unterwegs und schürte
das Flugfieber, wohin er kam.
Genau
genommen war Lindbergh schon der 92., der den Atlantik mit einem Luftfahrzeug
überquerte, doch er war der erste, dem es im Alleinflug ohne Zwischenstop
und über die Rekorddistanz von 5.780 km gelang. Hier sieht man seinen
Ryan Hochdecker.
In
Le Bourget wurde er enthusiastisch gefeiert, unter anderem von Louis Bleriot,
der 18 Jahre zuvor den Ärmelkanal bezwungen hatte.
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