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Der blutige April

"Sie können nicht nachempfinden, wie sehr ich es hasse, die jungen Männer in diese harten Kämpfe zu schicken. Sie sind noch so unerfahren, daß sie noch nicht einmal wissen, wie sie sich selbst vernünftig schützen können. Wenn man sie losschickt, weiß man genau, daß einige von ihnen getötet werden. Aber es ist absolut unumgänglich, die Neulinge in den Kampf zu werfen, und wenn sie nicht zurückkommen, muß man gute Miene zum bösen Spiel machen."

Major Charles J. Biddle, USAS

TEIL 2

H. A. Jones, der offizielle RAF Geschichtsschreiber, beschrieb von Richthofens Taktik und Führung folgendermaßen:

"Richthofens Aufgabe bestand darin, mit minimalen Verlusten an seinen eigenen Bediensteten den größtmöglichen Schaden anzurichten. Er wußte, daß an jedem zum Fliegen geeigneten Tag sehr viele Flugzeuge des RFC hinter den deutschen Linien fliegen würden. Er mußte nur selten Kämpfe suchen und konnte seine eigenen Entscheidungen treffen. Wenn es schien ..., daß ein Kampf besser abzubrechen oder zu vermeiden war, zögerte er nie ... war aus diesem Grund nicht nur extrem aktiv, sondern auch extrem schwer faßbar."

So hatte die Jasta 11 und ihre Kollegen bis zum Ende des Monats April 443 britische Piloten verwundet oder getötet. Von den meisten verwundeten Piloten gingen viele wegen der offensive Flugweise der Briten hinter den deutschen Linien zu Boden und verbrachten daher den Rest des Krieges in deutscher Gefangenschaft. Somit hatte der Blutige April einschneidenden Einfluß auf den Luftkrieg. Visier eines Albatros JägersDeutlich wird dies an der Verschlechterung der durchschnittlichen Lebenserwartung eines RFC Piloten. So war diese noch 1916 bei 295 Kampfstunden aber nach dem April 1917 bereits auf bedenkliche 92 Stunden gesunken. Die Piloten, die diesen harten Luftkampf überlebten, waren Asse. Sie überlebten nur aufgrund ihrer außerordentlichen Fähigkeiten, was man von den Neulingen nicht gerade sagen konnte, da diese sozusagen nur das Fallobst für Männer wie Manfred von Richthofen oder Werner Voss bedeuteten. Gründe für den vernichtenden Sieg der deutschen Seite waren das Zusammentreffen verschiedener Kombinationen.

Erstens hatten die durchschnittlichen deutschen Piloten wesentlich mehr Erfahrung als Ihre Gegner. So wurde die Piloten im Herbst und Frühling in die Beherrschung der neuen Flugzeuge eingewiesen. Zusätzlich erhielten sie noch eine ausführliche Ausbildung zum Thema Flugtaktiken und - techniken.

Zweitens waren die deutschen Flugzeuge teilweise in technischer Sicht den alliierten überlegen. Dies wurde mit der Einführung der Albatros D. III noch vergrößert.

Drittens waren die Jastas in der Defensive und konnten sich ihre Gegner aussuchen, da sie mit schnelleren Maschinen operierten. So war es meistens für die deutschen Jasta Anführer üblich einen Kampf nur dann aufzunehmen, wenn sie einen Vorteil sahen und die gegnerischen Ziele eindeutig im Nachteil waren. Für die Briten war diese Vorgehensweise in den meisten Fällen tödlich bzw. sie mußten bei einer Konfrontation mit hohen Verlusten rechnen.

Viertens flogen die meisten Jastas über eigenem Gebiet. Dadurch konnten Sie die Gefahr der Gefangennahme, bei einer Beschädigung oder einem technischen Defekt, verringern. Zusätzlich begünstigte das Wetter bzw. die Windverhältnisse die deutsche Seite. Es war somit für die Deutschen einfacher aus einer ungünstigen Situation zu fliehen und die Briten hatten ein zusätzliches Problem wenn sie ebenfalls den Rückzug antraten.

Die Konsequenzen wurden daher von den Briten und Franzosen dahingehend getroffen, als sie versuchten den Rest des Frühlings damit zu verbringen, ihre neuesten Generationen von Jagdflugzeugen und Aufklären möglichst schnell und in ausreichender Menge in den Luftkampf zu werfen. So trugen allmählich die neuen SE5s, Bristol-Jäger, Breugets und Spad 13s dazu bei das Ungleichgewicht zu reduzieren. Auch die Versetzung des 56. Geschwaders, daß am 22.04.1917 die erste Patrouille flog, war ein entscheidender Faktor. Bei der Formation dieses Geschwaders hatte das RFC seine Abneigung gegen die Gruppierung von Klasse Fliegern in eine Eliteeinheit abgelegt und hatte aus ganz Frankreich die erfahrensten Flieger gesammelt.

So wurden von der anfänglichen Besatzung des Geschwaders sieben Piloten später Asse, außerdem wurden drei, die erst im Mai 1917 eintraten, ebenfalls Asse. Bis Kriegsende sollte das Geschwader 427 Siege verzeichnen können. Obwohl das 56. Geschwader nicht offiziell als "Anti Richthofen Geschwader" genannt wurde, war es bald als solches in aller Munde und stellte vielleicht auch ein solches dar, da es die Luftherrschaft der Alliierten über Arras anstrebte. Interessanterweise verfolgte das 56. Geschwader bis zum Ende des Krieges die Jasta 11 später das JG 1 über die gesamte Front hinweg. Die deutsche Presse behauptete sogar, es wäre ein Kopfgeld auf Manfred von Richthofen ausgesprochen worden.

In der Zwischenzeit hatten die Deutschen auf der anderen Seite die ersten Kampffliegergruppe zusammengestellt, die die Jasta 3, 4, 11 und 33 in einer einzigen Kampffliegereinheit vereinte Diese Konzentration wurde später zu einem permanenten Jagdgeschwader. Es verlagerte sich entlang der Front und wurde immer dort eingesetzt wo es am dringendsten benötigt wurde. Diese Mobilität und die grelle Farbgebung der Flugzeuge führte später zum Namen Fliegender Zirkus. Im Sommer 1917 schließlich war es endlich soweit und die neuesten Flugzeuge der Alliierten und Deutschen waren gleich stark. In der nachfolgenden Zeit waren die technologischen Vorteile der einen oder anderen Seite nicht mehr so gravierend wie es in den letzten zwei zuvorgehenden Jahren immer wieder der Fall war.

Deutsche Soldaten besetzen und reinigen eine russische StellungDies sollte die nachfolgenden Kämpfe über der Westfront für immer entscheidend verändern und so wurde der Luftkampf immer mehr zu einer Zermürbungsschlacht ähnlich der wie sie in den Gräben auf dem Boden ausgetragen wurde. Die früheren Helden wie Boelcke oder Immelmann, die allein durch ihre Einzelaktionen den Luftkampf entscheidend beeinflussen konnten, sollten für immer der Vergangenheit angehören und der Krieg entwickelte sich zunehmend zu einer reinen Schlacht der Zahlen. Diese Schlacht sollte aber immer mehr zum Nachteil der Deutschen werden, da die Alliierten allein durch ihre größere Anzahl an Flugzeugen die Deutsche durch zahlenmäßige Unterlegenheit in die Enge treiben konnten. Zwar konnten die Deutschen anfangs noch längere Zeit durch erfahrenere und besser ausgebildete Piloten dieses Debakel hinauszögern aber es war nur noch eine Frage der Zeit bis dies nicht mehr gelang.

Die Verluste der Alliierten waren zwar sehr hoch, die französischen und britischen Einheiten mußte jeden Monat 70 % - teilweise sogar 100 % hinnehmen, aber sie ließen sich trotzdem nicht von ihrer offensive Luftkriegsführung abbringen. Grund hierfür war die Hoffnung, durch verstärkten Druck gegenüber Deutschland dieses aufzureiben. Daß diese Taktik früher oder später auch Früchte trug kann aus dem weiteren Verlauf des Krieges im Jahre 1918 schließlich abgelesen werden. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg und der blutige Krieg ging weiter und forderte auch weiterhin seine Opfer. Zu diesen Opfern zählte nicht nur die normalen und noch unerfahrenen Piloten sondern auch zusehends einige der großen Asse des Ersten Weltkriegs wie z. B. Albert Ball am 07.05.1917 oder der junge Deutsche Werner Voss, der in einem sagenhaften Luftkampf gegen sieben Jagdflieger sein Leben lies. Beide Piloten gehörten zur einer immer mehr aussterbenden Art von Kampffliegern, die es immer wieder vorzogen allein auf Patrouille zu gehen und es geradezu haßten in Formation zu fliegen. Aber die Zeit der "Einsamen Wölfe" war vorbei und der Krieg sollte immer mehr zu einer anonymen Schlacht der Staffeln und Geschwader werden.

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