Blauer Max Logo

links zurück rechts weiter


Der blutige April

"Der Kommander ist dafür verantwortlich, daß weder er noch einer seiner Piloten vom Feind überrascht wird. Ist er dazu nicht in der Lage, taugt er nicht als Führer"

Manfred von Richthofen, dt. Kampfflieger

TEIL 1

Anfang 1917 wurde durch die Einführung der deutschen Jagdstaffeln an der Westfront und den Einsatz der neuen Doppeldecker Albatros D. II und Fokker D. II die alliierten Flieger im verstärkten Maße in die Enge getrieben. Hierzu trugen auch die Kopie der alliierten Taktiken und Organisationsstrukturen auf deutscher Seite noch dazu bei. Die neuen Kampfflugzeuge der Deutschen, mit denen Sie jetzt in der Luft zu kämpfen hatten, waren teilweise besser oder auf jedenfall ebenso gut. Im Gegensatz dazu konnten die völlig veralteten alliierten Aufklärer der deutschen Entwicklungen nicht mithalten und sie wurden daher zwangsweise zu MG Futter.

So setzten z. B. die Engländer weiterhin auf die hoffnungslos veraltete Be2 Quirks. Aber auch der Ersatz der Be2, die RE8 genannt "Harry Tate", erwies sich als völliger Fehlschlag und konnte in keiner Weise den Erwartungen entsprechen. Sie war langsam, leistungsschwach und alles andere als manövrierfähig. Piloten hatten große Schwierigkeiten, da sie schon bei der erst besten Gelegenheit zu trudeln begann und sogar die Landung zu einem Erlebnis machte. Doch war sie nicht nur strukturell schwach, sondern zeigte auch alarmierende Tendenz, nach Beschädigung in Flammen aufzugehen. Kurzum sie entpuppte sich als eines der schlechtesten Flugzeugmodelle des Ersten Weltkrieges.

Im Januar 1917 wurde dann die nächste Generation der deutschen Jagdflugzeuge an der Front eingesetzt. Insbesondere die verbesserte Albatros D. III sollte die nachfolgenden Monate dominieren. Albatros D IIIDie erste D3 tauchte im Januar 1917 an der Front auf, und bis zur Frühjahrsmitte waren alle Jastas an der Front entweder mit der Vorgängerin D2 oder mit D3 ausgerüstet. Die bewegliche und schnelle Albatros D. III traf die Alliierten völlig unvorbereitet und so waren Ihre eigene Ersatzmodelle für die Nieuports und Spad 7 noch nicht in ausreichender Stärke an der Westfront eingetroffen.

Zu den Ersatzmaschinen zählten die SE5 und die Sopwith Camel die aber nicht einmal Geschwaderstärke erreichten. So mußten sich die alliierten Geschwader mit den alten Flugzeugen noch eine Zeitlang herumplagen. Zum Glück hob sich die Moral, da sie wußten, daß die Deutschen am Boden kurz vor einer Niederlage standen. Die kurz zuvor noch glücklich beendete Schlacht um Verdun trug ebenso wie die an der Ostfront gut verlaufende Brussilow Offensive, bei der die österreichische Armee ohne Hilfe der Deutschen fast zerschlagen wurde, dazu bei. Man glaubte daher, daß Ende 1917 die Deutschen bezwungen sein würden und die vermeidlich letzte Schlacht schon in greifbarer Nähe sein würde. Der April 1917 aber machte alle diese Hoffnungen zunichte, am Boden sowohl auch in der Luft. Der Anfang wurde durch die Franzosen begonnen, als sie zu einer groß angelegten Offensive entlang des Chemin des Dames ausholten.

Hierdurch wurde natürlich auch der Luftkrieg von neuen entfacht. Diese Operation wurde aber zu einem Desaster. In nur 48 Stunden starben 120.000 Franzosen im Trommelfeuer der sehr starken deutschen Defensive. Das Unglück wurde noch durch die fehlenden Betten für die Verwundeten größer, da die Sanitätseinheiten nur für 10.000 Menschen Platz hatten. So mußten Tausende von Verwundeten qualvoll in den Stellungsgräben und Granattrichter sterben, ohne daß ein Arzt oder Sanitäter sie versorgen konnte. Natürlich folgte auf diese Tragödie was kommen mußte und die Disziplin in der französische Armee wurde schwer geschädigt. Es kam zu zahllosen Meutereien die sich wie ein Buschfeuer durch die Stellungen zogen, von der 6. Armee (sie war an der Chemin des Dames Offensive beteiligt) ausgehend durch den Rest der Truppen. Ende April befanden sich bereits 68 von 110 französische Infanterieeinheiten im offenen Aufstand. Es dauerte bis Juni, bis diese Unruhen niedergeschlagen werden konnten, aber der angerichtete Schaden war enorm und sollte den weiteren Verlauf des restlichen Krieges beeinträchtigen.

Deutsche Soldaten auf dem Weg zur FrontDie Moral in der französischen Armee blieb niedrig und so blieb ihr nur noch die Aufgabe der Verteidigung und bedingten offensiven Operation während des restlichen Krieges. In der Luft war der Verlauf nur ein weiteres Spiegelbild der Bodenkämpfe. Schließlich war die neuen Albatros D. III Jagdflugzeuge voll einsatzfähig und somit konnten die Jastas ihr ganzes Potential ausspielen. Außerdem hatten die Deutschen die Lehre aus der schlechten Luftkämpfen des vergangenen Herbstes gezogen und Ihre Taktiken entsprechend optimiert so daß sie die gewonnenen Erfahrungen gezielt einsetzen konnten. Als Bewährungsprobe für die Albatros sollte der Einsatz in Flandern positiv ausgehen. Hier versuchte Sir Douglas Haigs BEF sich gegen die deutschen Verteidigungsstellen bei Arras zu stellen, so daß das Royal Flying Corps diese Maßnahmen aus der Luft unterstütze.

Deshalb flogen in großer Zahl Aufklärer wie Quirks und Harry Tates entlang der Front um Artilleriestellungen auszumachen und diese Informationen weiterzugeben. Die aber in dieser Region auch eingesetzten Albatros Aufklärer griffen verstärkt die veralteten alliierten Aufklärer an und holten einen nach dem anderen vom Himmel. Auch die eingesetzten alliierten Kampfstaffel mit Ihrer veralteten Ausrüstung aus dem Vorjahr waren hierbei keine große Hilfe und konnten nicht effektiv eingesetzt werden. Der Ersatz für die abgeschossenen Piloten, war dazu noch zu schlecht ausgebildet, so daß er praktisch nur als Kanonenfutter diente und verheizt wurde. Auf die Folgen mußte daher nicht allzu lange gewartet werde und so sank die Moral rapide in den alliierten Aufklärungseinheiten als immer mehr Tote zu beklagen waren.

Dabei begann die Schlacht von Arras für die Briten eigentlich nicht schlecht, da sie durch Ihre 365 RFC Flugzeuge, ein Drittel davon waren Jagdflugzeuge, zahlenmäßig den Deutschen überlegen schienen. Auf deutscher Seite standen nämlich nur 100 Jäger und 100 sonstige Flugzeuge zur Verfügung. Als am 09.04.1917 die Arras Schlacht begann, gab es fünf deutsche Jastas in der Region. Diese Zahl stieg aber im Laufe der Schlacht auf acht an. Am Ende des Monats aber verloren die Briten 176 Maschinen, während auf deutscher Seite nur der Verlust von 21 Piloten und Crewmitglieder zu beklagen waren. Andere Zahlen sprechen von einem Verlust von 245 alliierter Flugzeuge die aufgrund von feindlicher Aktivitäten verloren gingen. 211 Besatzungsmitglieder wurden getötet oder vermißt, und 108 wurden in Gefangenschaft genommen. Die Franzosen verloren im April ungefähr 55 Flugzeuge. Die deutschen Piloten hatten 298 alliierte Flugzeuge zerstört, darunter 34 Ballons.

Abgeschossenes deutsches FlugzeugVon alliierter Seite wurde behauptet, daß 196 deutsche Flugzeuge zerstört und weitere 206 einsatzunfähig gemacht wurden. Die deutschen Aufzeichnungen, die unvollständig sind, zeigen Verluste von nur 76. Es ist daher sehr schwer exakte Zahlen des Kriegsverlaufs aufzuzeigen, aber eines ist klar die Verluste auf alliierter Seite waren bedeutend höher und somit ging der April 1917 als "Blutiger April" in die Geschichte ein. Am schlimmsten aber traf es das Nieuport Geschwader No. 60 und 29 bei Douai, wo innerhalb von vier Wochen fast 100 Prozent der Sollstärke im Kampf verloren gingen. Zwar konnte durch den konstanten Nachschub an unerfahrenen Piloten die Nieuports weiterhin zur Patrouille eingesetzt werde, aber auch die Moral verringerte sich von Verlust zu Verlust weiter.

Doch Sie gaben den Kampf nicht auf und kämpfen mit der Unterstützung ihrer Flieger Asse, Billy Bishop und Albert Ball, weiter da sie annahmen auch die Deutschen würden von solchen Ausfällen betroffen sein. Ihre Situation wurde nicht gerade verringert als Anfang 1917 Manfred von Richthofen die Jasta 11 übernahm und diese zu einem schlagkräftigen und effektiven neuem Gegner formte. Bis April hatte er es geschafft die Jasta 11 zu einer Eliteeinheit zu machen und so konnten seine Männer in der Schlacht um Arras ihr Können gegen die Besten der Briten unter Beweis stellen. Richthofen gab hierbei das Tempo für seine Piloten vor und schoß nicht weniger als 20 britische Flugzeuge ab, die meisten davon wie zu erwarten war waren Quirks und langsame FE2s. Lothar von Richthofen stand dem nicht nach und erzielte 15 Abschüsse und Kurt Wolff erreichte sogar zwischen dem 6. April und 30. April 22 RFC Flugzeuge.

Die Abschußbilanz von Jasta 11 wurde noch durch Karl Almenröder mit weiteren 8 Abschüssen erhöht. Wenn man bedenkt, daß zum Zeitpunkt als Richthofen das Kommando über Jasta 11 übernahm diese noch keine Siege zu verzeichnen hatte so ist dies ein großartige Leistung. Nur ein Pilot namens Schäfer hatte nämlich, vor Eintritt in die Jasta, 11 Abschüsse erzielt. Erst unter der Führung von Richthofen erzielte die Jasta 11 zwischen Januar und März 1917 36 Siege und im April 89 Siege, was etwa einem Drittel der gesamten Verluste des RFC entsprach. Richthofen selbst beanspruchte davon 36 Siege und erhöhte seine Gesamtzahl auf 52, was ihm zum führenden Flieger Ass des Krieges machte, als er Anfang Mai auf Urlaub ging.

>> Weiter zur zweiten Seite >>

links zurück rechts weiter


Einleitung - Dt. Flugzeuge - Ausl. Flugzeuge - Inhalt - Flugmanöver - Piloten - Technik
Luftfahrtgeschichte.com - Copyright 1999
Fehler, Fragen oder Vorschläge? Gert Steidle