"Und wozu soll ein Ballon gut sein?" fragte ein Schaulustiger den Amerikaner;
der voller Begeisterung zusah.
"Sir", antwortete Benjamin Franklin, "wozu ist ein neugeborenes Kind
gut?"
Am 27.8.1785, zwei Monate nachdem der franz. Chemiker Antoine-Laurent
Lavoisier ein von ihm entdecktes Gas "Wasserstoff" genannt hatte, befüllte
Professor Jacques Charles von der Academie des Sciences, damit einen unbemannten
Ballon von 3,65 Meter Durchmesser, ließ ihn vom Pariser Marsfeld aufsteigen
und sah ihm nach, bis er in den Wolken verschwand. Als der Ballon 18 Kilometer
weiter beim Dorf Gonesse niederging, hielten die verängstigten Bauern
ihn für ein stinkendes Ungeheuer und hackten ihn in Stücke.
Zuvor hatte die Menschheit jahrhundertelang vergeblich versucht,
außer ein paar erfolglosen Versuchen mit vogelartigen Schwingen und
die Möglichkeit sich an einen Drachen nach chinesischen Vorbild zu
hängen, große von Menschen gemachte Objekte zum Fliegen zu bringen.
Natürlich erregte dieser Versuch schnell großes Interesse, und
nicht einmal ein Monat später sahen Ludwig XVI und Marie Antoinette
den Brüdern Montgolfier zu, wie sie mit einem Heißluftballon in
die Luft stiegen.
Zwei Monate danach unternahmen Francois Pilatre de Rozier und der
Marquis d`Arlandes die erste Freiballonfahrt. Hierbei mußte der Marquis
die Kohlepfanne schüren und die Außenhaut des Ballons mit einem
Schwamm befeuchten, da Funken sonst einen Schwellbrand verursachten. Professor
Charles folgte mit seinem Wasserstoffballon bald darauf.
Schon zwei Jahre später wurde der erste Ballon mit einer
handbetriebenen Luftschraube bewegt, und Jean-Pierre Blanchard und der Amerikaner
John Jeffries überquerten in einem Wasserstoffballon den Ärmelkanal.
1797 unternahm Jacques Garnerin von einem Ballon aus den ersten Fallschirmsprung.
Später in den 1860er Jahren wurden Ballons erstmals in
größerem Umfang zu Beobachtung von Stellungen im amerikanischen
Bürgerkrieg eingesetzt. 1870 wurden Sie dann auch im deutsch-franz.
Krieg eingesetzt. Allerdings wurde schnell klar, daß ein entscheidender
Punkt noch fehlte und zwar eine Steuerung! Der Franzose Gaston Tissandier
stellte daher 1883 sein "dirigible" vor, ein von einem Siemens - Elektromotor
angetriebenen lenkbarem Luftschiff, und im Jahr darauf bauten Charles Renard
und Arthur Krebs eine größere Variante und nannten sie "La France"
- das erste wirklich steuerbare Luftschiff der Welt.
In Deutschland wurde daraufhin 1900 von dem Kavallerieoffizier Ferdinand
Graf von Zeppelin das auf eigene Rechnung gebaute Luftschiff LZ1 am 2.7.1900
in Dienst gestellt. Allerdings ließ es sich nicht so gut steuern. Dies
wurde aber 1906 durch den Nachfolger LZ2 behoben. Die Steuerbarkeit blieb
aber immer noch einer der größten Probleme der Fliegerei.
Allerdings hatte man immer noch nicht ein Fluggerät für
den Gleitflug bzw. für einen längeren steuerbaren Flug entwickelt.
Der Engländer Sir George Cayley, der heute als "Vater der Luftfahrt"
gilt,
hatte die Grundprinzipien des Fluges bereits 1799 erkannt und ein Flugzeug
mit starren Tragflächen entworfen, mit einem Rumpf, in dem der Flieger
saß, und einem Heckleitwerk, das Stabilisator, Seitenleiten- und
Höhenruder vereinte.
Zehn Jahre später baute er das erste bemannte Gleitflugzeug und
flog auch einige Meter damit. Später wurden diese Entwürfe von
z. B. 1890 Clement Ader wieder aufgegriffen und es gelang ihm mit einem per
Dampfmaschine getriebenen Flugzeug ein paar Hüpfer über max. 50
Meter.
Ernsthaft wurde die Ideen von Cayleys Studien erst durch den Deutschen
Otto Lilienthal in seinem 1889 veröffentlichten Buch "Der Vogelflug
als Grundlage der Fliegerei" wieder aufgenommen. Lilienthal setzte nahe seiner
Heimatstadt Berlin diese Ideen in ca. 2.500 Flügen in die Praxis um.
Die Tragflügel der leichten, einflügeligen Gleiter, die er zwischen
1893 und 1896 baute, bestanden aus Holmen, die mit gewachstem Segeltuch bespannte
waren, was dafür sorgte, daß der Luftdruck unter dem Flügel
größer war als darüber.
Seine Versuche unternahm er von einem kleinen Hügel und erreichte
hierbei Weiten von ca. 250 Meter. Die Steuerung wurde hierbei durch
Gewichtsverlagerung vorgenommen. Am 9.8.1896 kam er bei einem weiterem Versuch
ums Leben. Er hatte nicht einmal die neuen Verbrennungsmotoren für die
Fortbewegung seiner Flugapparate in Erwägung gezogen. Lilienthal war
ein echter Flieger, der seine Erfahrungen sorgfältig dokumentierte und
veröffentlichte. Seine Berichte wurden in viele Sprachen übersetzt
und zusammen mit Aufnahmen von seinen Flügen überall in der Welt
publiziert.
Mit diesem wasserstoffgefüllten
Ballon unternahmen Professor J.A.C. Charles und M.N. Robert im Dezember 1783
einen zweistündigen Flug von den Tuilerien in Paris. Rund 200.000 Bewohner
von Paris beobachteten den ersten Aufstieg dieses Ballons
Im Jahre 1901 flog Alberto Santos-Dumont
die sieben Meilen von St.-Cloud zum Eiffelturm und zurück in knapp 30
Minuten; die 100.000 Francs, die er als Preis dafür bekam, verschenkte
er fast ganz. Bei einem früheren Versuch stützte er ins Restaurant
Trocadero und mußte von Feuerwehrleuten gerettet werden. Santos-Dumont
führte seine kleinen lenkbaren Luftschiffe überall in Europa vor.
Gleitflug Otto Lilienthals bei Derwitz,
Sommer 1891: eines der ersten Fotos von einem fliegenden Menschen.
Lilienthals Fliegeberg in Lichterfelde:
Aufnahmen von den Gleitflügen im August 1894. |