1914 – 1918 Die Fokker Plage

„Der Sieg wurde so teuer erkauft, daß er fast nicht von einer Niederlage zu unterscheiden ist.“
Winston Churchill
TEIL 1

Im Mai 1915 führte Anthony Fokker einen Eindecker M-5 K mit einem synchronisierten MG ein. Dieser Prototyp basierte auf der franz. Morane Saulnier Eindecker Serie und wurde mit einem Umlaufmotor, der auch wiederum ein Nachbau des franz. Gnome Umlaufmotors (Name Oberursel)war, ausgestattet. Nach erfolgreichen Erprobungsflügen wurde schnell die Serienproduktion und somit der Fronteinsatz dieses Eindeckers befürwortet und durchgeführt. Allerdings hatte der Eindecker zu Anfang mit einigen Vorurteilen zu kämpfen.

Fokker E I auf einem Feldflugplatz

Viele der Piloten bezweifelten in der Übergangsphase bis ca. Anfang August 1915 die Effektivität der Fokker. In einigen Fällen versagte sogar das synchronisierte MG und der Propeller wurde zerstört. Dies führte im Juli und August 1915 sogar zu drei tödlichen Abstürzen und die deutsche Heeresleitung verbot die weitere Benutzung. Sogar die eigens von Fokker eingerichtete Ausbildungsschule in Döberitz mußte geschlossen werde. Zum Glück konnte durch zwei erfolgreiche Piloten, Max Immelmann und Oswald Boelcke, diese anfängliche negativen Einstellungen gegenüber der Fokker Eindecker schnell zerstreut werden.
Die Synchronisation des MGs mit dem Propeller war denkbar einfach aber dafür äußerst effektiv und wurde zu damaligen Zeit als ein kleines technisches Wunder betrachtet. Die Lösung bestand aus Nocken die auf der Welle des Propellers anbracht wurden, und eine Stange, die wiederum mit dem Abzug des MGs verbunden war,, bei jeder Umdrehung entweder hob oder senkte. Hierbei wurde der Abschußmechanismus immer dann unterbrochen, wenn Gefahr bestand den Propeller zu beschädigen.
In der Nachfolgezeit wurde diese Erfindung sehr oft Fokker zugeschrieben, dem ist aber nicht so. Bereits 1913 hatte der Schweizer LVG Ingenieur Franz Schneider ein Patent eines Unterbrechermechanismuses eingereicht, diesen allerdings nicht in Serie produziert. Dies war der deutschen Luftwaffe und Fokker bekannt und er machte der Deutschen Heeresleitung bei der Entwicklung und Verbesserung die Bedingung, ihn von allen event. Streitigkeiten und gerichtlichen Belangen zu schützen bzw. verschonen. Die Durchführung zur Entwicklung erhielt hierauf Fokkers Konstrukteur Heinrich Friedrich August Lübbe, der das Unterbrechergetriebe in kurzer Zeit mit seinem Team fertigstellte.
Die Erfindung des Unterbrechergetriebes kam zu einer Zeit als die deutschen Fliegertruppen überwiegend in der Defensive waren und verstärkt alliierte Bomber der Typen Voisin und Framan abwehren mußten. Diese Bomber flogen meist ungestraft am hellichten Tag tief in das süddeutsche Gebiet hinein und hatten im Saarland Chaos und Zerstörung in Munitionsfabriken zur Folge. Mit der Einführung der neuen Fokker Eindecker erhoffte man sich dies einzugrenzen bzw. die franz. Luftüberlegenheit zu beenden.
Im August 1915 betrat Max Immelmann die Bühne gefolgt von Oswald Boelcke. Immelmann hatte das Glück als einer der ersten den Fokker Eindecker zu fliegen und er wußte auch diesen gekonnt einzusetzen. Am 01.08.1915 erfolgte sein erster Abschuß eines zweisitzigen Bombers des Typs Bristol BE2. Hierbei stellte es sich heraus, daß der Einsatz des Unterbrechergetriebes mit einer äußersten Effektivität eingesetzt werden konnte. Dieser Erfolg wurde natürlich mit Erschrecken bei den alliierten Flugzeugführern beobachtet und setzte eine Welle der Angst in Gang. In den sechs darauffolgenden Monaten herrschte Aufruhr in der brit. Presse und im Parlament. Durch jeden weiteren Abschuß von Immelmann und Boelcke sah man die Zurückgewinnung der Luftüberlegenheit verschwinden.
Insbesondere Immelmann hatte eine erfolgreiche und somit erschreckende Abschußquote. Er schien fast unaufhaltsam als seine Abschußbilanz innerhalb von nur wenigen Wochen dramatisch anstieg. Schnell hatte er den Spitznamen „Adler von Lille“ und die deutsche Presse überschlug sich mit Erfolgsmeldungen. Es sah somit aus als wären die alliierten Flugzeuge nichts anderes als Futter für die Fokker Eindecker. Immelmann und Boelcke wurden über Nacht zu Nationalhelden. Der neue Typ C (zweisitzige bewaffnete Aufklärungsflugzeuge) der deutsche Fliegertruppe verschlechterte die Aussichten dazu noch weiter, so daß die Alliierten stark in Bedrängnis kamen. Im Spätherbst 1915 bzw. im Frühjahr 1916 begannen die Deutschen Ihre neu gewonnene Luftüberlegenheit noch weiter zu verstärken indem sie ihre Jagdflugzeuge in Kampfeinheiten (später genannt JaStas) organisierten und dadurch in der Lage waren, ihre Luftmacht einfacher und effektiver umzugruppieren und zu konzentrieren.
Aus den Fokker Eindeckern wurden gesonderte Fokkergeschwader (auch Fokkerstaffeln oder KEK genannt) gegründet, denen jeweils bestimmte Sperrbereiche zugeordnet waren. Diese einfachen Fliegerstaffeln hatten natürlich nicht soviel Flugzeuge, daß sie eine lückenlose Überwachung in Ihrem Bereich gewährleisten konnten und so wurden sie wiederum in mehrere kleinere Einheiten (2-3 Flugzeuge) aufgeteilt. Durch diese später eingeführte Taktik konnten die kleineren Gruppen gegen die im Sommer 1916 zahlenmäßige Überlegenheit der Alliierten wenig entgegenzusetzen und wurden demnach förmlich überrollt. Maßgebend für die Einführung dieser besonderen Jagdeinheiten war Oswald Boelcke, der die Idee zur Reorganisierung (siehe hierzu Piloten Oswald Boelcke und Jastas, JG und Fliegender Zirkus) dem deutschen Oberkommando vorschlug und später im August 1916 erfolgreich umsetzte.


Hier sehen Sie A. Fokker beim Testen der Synchronisation eines Spandau MGs auf einem Versuchsstand.


„Eine Aura des Geheimnisvollen umgab die Fokker …
Gerüchte sagten ihr phatastische Leistungen nach. Du warst so gut wie tot, wenn du eine entdeckt hattest….“
Sagittarius Rising, Cecil Lewis
TEIL 2

Hierzu zählt die im März 1916 von ihm geführte und gegründete Fliegerstaffel Sivery, die damals noch aus sechs Flugzeugen bestand. Im August bzw. September 1916 dann wurden die sog. JaStas (Jagdstaffeln, Gründung Jasta 2 am 10.08.1916) mit bis zu 18 Maschinen ausgestattet. Auf alliierter Seite wurde daher fieberhaft an Lösungen gearbeitet das Blatt zu wenden. Schließlich hatte man die berechtigten Sorge, daß die deutsche Aufklärung besser sein könnte als die eigene und somit vielleicht kriegsentscheidende Auswirkungen auf den Bodenkampf hatte. Sofortige Auswirkungen hatte die Fokker Plage bei den franz. Bombergruppen die lange Zeit es gewohnt waren ohne Widerstand zu operieren. In der ersten Hälfte des Jahres 1915, als die Entwicklung der Fokker Eindecker noch nicht abgeschlossen war, hatten die franz. Bomber zahlreiche Bombenangriffe in Süddeutschland ohne eines Begleitschutzes unternommen.
Dies war nicht allzu schwierig da die deutschen Fliegertruppen nicht für einen Angriff ausgestattet waren und somit auch in politischer Hinsicht sich eine blutige Nase holten. Im Sommer 1915 dann als die Eindecker vermehrt eingesetzt wurden, begannen diese Bombergruppen Verluste durch gegnerisches Feuer hinzunehmen und versuchten entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Franzosen begannen Ihre Bomber durch mit Maschinengewehren ausgestatteten Jagdflugzeuge, die über den Propellerkreis oder nach hinten schossen, zu beschützen. Zum Herbst 1915 wurden die Verluste bei Tagangriffen aber dermaßen hoch, so daß man dazu überging die Bombereinheiten auf den Nachtangriff zu trainieren bzw. umzustellen. Allerdings war man weiterhin auf Aufklärungs- und Abwehrflüge angewiesen, und diese konnten nur bei Tag erfolgen.
Die Anglo – Franzosen setzten daher bei solchen Flügen ein bis zwei Jagdflugzeuge zum Geleitschutz der Aufklärungsflugzeuge ein und glaubten durch das konzentrierte Feuer aller Flugzeuge die deutsche technische Überlegenheit kompensieren zu können. Im Januar 1916 führten die Briten eine noch weitergehende organisatorische Besonderheit ein. Sie gruppierten Flugzeuge in homogene Einheiten sog. squadrons (Fliegerstaffeln) mit je 12 – 15 Flugzeugen. Diese squadrons wurden jeweils zu sechst in wings (Fliegergeschwader) zusammengefaßt, wobei wiederum drei wings eine brigades (Fliegerbrigade) darstellte. Jeder Armee der britischen Streitkräfte (British Expeditionary Force = BEF)wurde eine solche Fliegerbrigade unterstellt, die Aufklärungsflüge, Flüge zur Zielkorrektur der Artillerie und Bombenflüge ausführte. Diese Flugzeugformationen hatte sicher eine der weitreichendsten Auswirkungen auf die Fokker Plage. Zusätzlich zu diesen Veränderungen der Grundsätze des operativen Einsatzes der Fliegerkräfte ging die englische und französische Industrie zur Konstruktion und Entwicklung einer neuen Generation von Kampfflugzeugen über.
Im Februar 1916 wurde in Frankreich die erste britische Mehrzweck- Jagdfliegerstaffel (Staffel 24) eingeführt. Diese war mit dem neuen einsitzigen Jagdflugzeug De Havilland DH 2 mit Druckluftschraube ausgerüstet und diese bot daher ein ausgezeichnetes freies Schußfeld nach vorne. Dieses Flugzeug und die nachfolgenden Entwicklungen wie die Vickers Gunbus FB5, der FB2 (beide mit Druckluftschraube) und der Nieuport 11 (Bebe) läuteten wahrscheinlich das Ende der Fokker Plage ein. Viele Berichte aus der damaligen Zeit lassen sicher den Schluß zu, daß diese Entwicklungen als unmittelbare Reaktion auf die Fokker Eindecker auf alliierter Seite durchgeführt wurde. Tatsache aber ist, daß die meisten dieser Flugzeuge schon vor bzw. im gleichen Zeitraum wie die Fokker Eindecker flogen. Vor allem die brit. FB 5 Gunbus und FE2b waren bereits hier und da anzutreffen, die franz. Nieuport 11 Bebe war kurz vor ihrer Indienststellung und die DH2 war schon auf den Reißbrettern, bevor überhaupt Oswald Boelcke im Juli 1915 (04.07.1915 – Abschuß einer Morane Bullett) seinen ersten Abschuß verzeichnen konnte.
Im April 1916 geschah es dann, daß ein junger deutscher Pilot sich mit seiner Eindecker in den Wolken verflog und irrtümlich auf einem Flugplatz der Alliierten (Courmelois) landete. Jetzt endlich hatten die Alliierten die Antwort auf die quälende Frage, wie die deutschen Flieger mit dem Maschinengewehr durch den Propeller schießen konnten, in ihrer Hand. Nach den Voruntersuchungen der Vorrichtung unternahmen sie mit dem Eindecker Übungkämpfe gegen ihre eigene Flugzeuge. Das Ergebnis war überraschend und demütigend zugleich. Es stellte sich nämlich heraus, daß der Eindecker gar kein gutes Flugzeug war und die meisten alliierten Flugzeuge sich diesem überlegen zeigten. Selbst gegen die Morane Parasol war die Eindecker nicht annährend so gut wie erwartet. Das neue franz. Flugzeug, die Nieuport 11 Bebe übertraf sie sogar. Lediglich gegen die schlecht konstruierte BE2 zeigte sie gute Ergebnisse.
Es war somit klar, daß die Fokker nur durch die MG Vorrichtung ein tödliches Instrument wurde und sich ihr luftkampftechnisches Potential vergrößerte. Mit dem wiedergewonnen Selbstvertrauen und den neuen Flugzeugtypen konnten die Alliierten eine erfolgreiche Offensive unternehmen und die DH2, Vickers Gunbus und Nieuport Bebe säuberten den Luftraum von den Eindeckern. Die Luftüberlegenheit neigte sich somit zunehmend zur westlichen Seite. Am 18.06.1916 geschah am Himmel über Annay ein Ereignis, das das Ende der Fokker Plage noch beschleunigte, Max Immelmann. der Träger des Pour le mérite, Erfinder des Aufschwungs, As mit 15 Luftsiegen, Begründer der Fokker Legende und Adler von Lille, stützte ab und mit ihm im übertragenden Sinne die Fokker Plage. Immelmann Tod konnte nie ganz geklärt werden. Die Deutschen sagten er hätte wieder einmal einen Ausfall des Unterbrechungsgetriebes gehabt(am 31.05.1916 war dies schon einmal der Fall, er konnte aber unverletzt noch landen) und seinen Propeller abgeschossen. Die Alliierten wollten den Absturz natürlich einem Piloten aus Ihren Reihen zuordnen. Die volle Wahrheit wird wahrscheinlich nie ganz herauskommen, aber eins war damals klar: Max Immelmann war tot und somit auch die Ära der Fokker Eindecker.

Das Wrack von Max Immelmann Fokker Eindecker wird von deutschem Militär inspiziert.

Die Fokker Plage hatte aber eines bewirkt und zwar die Beschleunigung der theoretischen und technischen Entwicklung und damit einen langwirkenden positiven(sowie negativen – bezogenen auf den Einsatz des Flugzeugs als tödliche Waffe) Effekt bewirkt.
Das wiederum hatte natürlich einen wesentlichen Einfluß auf die weitere Geschichte des Krieges. Es kam daher zu einem nie zuvor dagewesenen Wettrüsten. Es war in der Folgezeit daher ein dauernd wechselnde technische Überlegenheit der einen oder anderen Seite möglich und somit hatten beide Seiten mehrere Perioden der Luftüberlegenheit, bis jeweils wieder ein neues besseres Flugzeug entwickelt war.